Siegessäule - „I Shot my Love“: narzisstischer Trip

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„I Shot my Love“: narzisstischer Trip


Ein überflüssiger Dokumentarfilm von Tomer Heymann, der bei der Berlinale mit „The Queen has no Crown“ brillierte

SIS 15.3.2011 – „I Shot My Love“ ist ein egoistischer Film. Obwohl es eine Hommage an die Liebe(n) des Filmemachers ist, nämlich seine Mutter und seinen deutschen Freund, den Tänzer Andreas Merk. Das Projekt krankt am Narzissmus des Regisseurs und Kameramanns, obwohl er selbst kaum im Bild ist. Er versucht sich vielmehr über seine beiden Protagonisten zu erklären, wer er ist.

Sowohl der Freund als auch die Mutter sind gelegentlich genervt vom ständigen Gefilmtwerden. Verstörend wird es, wenn das Männerpaar die Eltern von Andreas an Weihnachten besucht. Es entsteht eine Grenzsituation, die Menschen sind außer sich, Heymann bleibt die Erklärung dieser Situation im Film schuldig. Ob es an Andreas’ Missbrauchserlebnissen liegt, erfährt man nicht.

Unklar bleibt, was der Film eigentlich erzählen will

Die Themen des Films könnten das deutsch-israelische Verhältnis sein, die Tatsache, dass der Autor und Regisseur sich in einen Mann aus dem Land der Peiniger und Mörder verliebt. Diese Auseinandersetzung gibt es aber nur am Rande. Da zeigt Heymann lieber, wie seine Mutter Noah ins Krankenhaus kommt und ihre Beine behandelt werden. Und warum sollte man Heymanns Boyfriend beim Duschen und Kochen zusehen wollen, so sympathisch er auch ist? Das mag zwar alles authentisch sein, plätschert aber dennoch spannungsarm dahin.

„Nicht alle Deutschen waren Nazis.“ – „Nicht alle Juden sind nett.“, heißt es in einem Dialog zwischen Heyman und seiner Mutter. Das ist sicher wahr, aber man kann sich das auch ohne diesen Film denken.

Schade, denn Heymann zeigte im Panorama der diesjährigen Berlinale, was er wirklich kann: seinen Film „The Queen Has No Crown“. Bei dieser Studie über Familie, Verlust und Heimatlosigkeit ist ihm alles gelungen. Sie ist ergreifend gut.

Frank Hermann

„I Shot My Love“, D/Israel, Regie: Tomer Heymann,
Moviemento, 17.3., 18 Uhr

Mehr zur Location: Moviemento

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