Siegessäule - Jessica Schwarz auf Wurzelsuche: „Das Lied in mir“

Film

Jessica Schwarz auf Wurzelsuche: „Das Lied in mir“


Florian Cossen debütiert mit einem Vater-Tochter-Konflikt, der seinen Ursprung in der argentinischen Militärregierung hat

SIS 7.2.2011 – Maria (Jessica Schwarz) verpasst auf dem Flughafen von Buenos Aires ihren Weiterflug nach Chile und hört zufällig, wie eine Mutter ihrem Kind ein Lied vorsingt. Merkwürdig berührt davon werden verschüttete Erinnerungen in Maria wachgerufen und sie beschließt, sich in der argentinischen Megacity auf ihre Wurzelsuche zu begeben, denn eine Ahnung keimt in ihr auf, dass ihre Vergangenheit wohl aus Lügen besteht.

Die argentinischen Militärregierung hat bis heute Auswirkungen

Ihr vermeintlicher leiblicher Vater (Michael Gwisdek) eilt daraufhin nach Buenos Aires, seinem ehemaligen Lebensmittelpunkt, und versucht Maria von ihren Nachforschungen und damit der Wahrheit abzuhalten. Nachdem Maria jedoch immer tiefer in ihre Geschichte eintaucht, gesteht er seiner Tochter, dass ihre biologischen Eltern unter der damaligen Militärregierung verschwanden und Maria von ihm und seiner Frau adoptiert wurde. Der Vertrauensbruch verletzt sie sehr, ebenso die Erkenntnis, dass die Folgen der einstigen brutalen Regierung auch heute noch in der argentinischen Gesellschaft spürbar sind. Auch – oder gerade – weil sich die meisten durch Verschweigen mit der eigenen Geschichte abfinden. So wird es schwer zu unterscheiden, wer Opfer und wer Täter war bzw. ist.

Jessica Schwarz und Michael Gwisdek brillieren in diesem Psychodrama als ungleiches Paar und helfen über einige kleine Schwächen dieses Filmdebüts hinweg. Die Stärken von Florian Cossen sind ohne Zweifel der langsam gestaltete Rhythmus des Films, die wunderschöne Bildsprache und die fein ziselierte psychologische Figurenentwicklung.

Silvy Pommerenke

 „Das Lied in mir“, Deutschland 2010, Regie: Florian Cossen, 94 Minuten Kinostart: 10.2.2011, Kino-Termine hier