Siegessäule - „La bocca del lupo“: Ein zauberhafter Film mit zwei Lieben

Film

„La bocca del lupo“: Ein zauberhafter Film mit zwei Lieben


Altes und Neues, Charme und harte Realität, eine wundervoll dokumentierte Liebesgeschichte: großartig! seit 21.10. im Kino

SIS 21.10.2010 – Der italienische Dokumentarfilm „La bocca del lupo“ ist eine
Liebesgeschichte und eine Reportage über Außenseiter. Eigentlich berichtet er sogar von zwei Liebesgeschichten. Die eine handelt von dem Sizilianer Enzo, seiner transsexuellen Lebensgefährtin Mary und ihrer anrührenden Beziehung. Enzo, der irgendwann einmal in Genua gelandet ist, hat viele Jahre seines Lebens im Knast verbracht, aber ausgerechnet dort die Liebe seines Lebens gefunden.

Die zweite Liebesgeschichte handelt vom Rausch, den Bilder auf der Leinwand erzeugen können, von der Liebe der Kamera zu ihren Motiven. In diesem speziellen Fall von der Liebe zu Genua, der Stadt, die auch hier die Schlampe geben darf. Wenn dann noch geniale Schnittarbeit im Spiel ist, erhält man so einen Glücksfall wie diesen Film.

Voller Romantik ist es, wenn Mary berichtet, wie sie sich einst in das Raubein Enzo verliebt hat: Sie sah, wie er beim Disney-Film „Bambi“ vor Rührung weinte. Ein so weicher Kern in dem Mann, der sich sonst so kantig und unnahbar gab, das hat ihr Herz nach anfänglichem Misstrauen erobert, denn schließlich trafen sich die beiden im Strafvollzug. Wie friedlich wirken sie jetzt, wenn sie gleichsam als „altes Ehepaar“ auf die vorbeifahrenden Schiffe hinunterblicken von ihrem hoch gelegenen Haus – mit Hund und Garten.

So sparsam die Inszenierung mit dem Paar umgeht, so zeigt der verschwenderische Griff in das Archivmaterial mit alten Bilder von Genua und der Subkultur der 60er, was Film kann. Ein nostalgisches bewegtes Fotoalbum löst einen ganzen Rausch an Emotionen aus, um dann wieder in der rauen Wirklichkeit zu landen. Seniorenheim, Straßenstrich, Spelunken, hart, aber herzlich. Der Regisseur Pietro Marcello gewann auf der Berlinale 2010 den TEDDY AWARD in der Kategorie Bester Dokumentarfilm. „Der Film ist eine wunderbare Meditation über die Liebe und eine Reise durch die Zeit“, heißt es u. a. in der Begründung der Jury.                     

Frank Hermann

„La bocca del lupo“, Italien 2009, Kinostart 21.10.