Siegessäule - L.A. Zombie: visuelle und andere Lüste

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Film

L.A. Zombie: visuelle und andere Lüste


Angst, Lust und komische Effekte: der neue Bruce LaBruce ist ein verstörendes Stadtmärchen

SIS 8.10.2010 – Es ist die Horrorvorstellung eines jeden Autofahrers, auf einer verlassenen dunklen Straße plötzlich einen Fremden stehen zu sehen. Wenn dieser Fremde auch noch von Kopf bis Fuß grün ist und rot aus dem Mund leuchtet, dann hilft nur ein Tritt aufs Gaspedal. Doch der hübsche, etwas brav gekleidete Autofahrer in Bruce LaBruce’ „L. A. Zombie“ hält an und lässt den grünen Mann einsteigen.

Vielleicht lässt er sich gern auf Abenteuer ein? Das bekommt er, wenn auch anders als erwartet, denn das Auto verunglückt, der Fahrer wird getötet und der geheimnisvolle Fremde holt seinen Schwanz heraus. Ein nekrophiler Serienmörder, denkt man zuerst. Tatsächlich ist er aber ein Serienretter: Der L. A. Zombie stößt nämlich tote Männer gesund.

LaBruce hat die Titelrolle mit dem schwulen Pornostar François Sagat besetzt, der darstellerisch nicht besonders gefordert ist. Er muss keinen einzigen Satz von sich geben und auch die anderen Figuren sind schweigsam. Rein inhaltlich hat der Film nicht mehr zu bieten als Tötungen und Wiederbelebungen. Für Abwechslung sorgen die benutzten Körperöffnungen, da hat sich LaBruce einiges einfallen lassen.
Er hat auch einen Blick für Schauplätze – die weiß er attraktiv ins Licht zu setzen. Es sind überwiegend Betonwüsten, verlassene Industriegebiete, bevölkert von Obdachlosen mit Einkaufswagen.

LaBruce gibt kein politisches Statement ab. Das Elend sieht knallbunt aus, man sieht Hochglanzbilder in Serie. Die Stimmung mutet etwas traurig an, denn der Zombie wirkt einsam. Zu keinem der Geretteten baut er eine Beziehung auf. Will er das überhaupt? Das wäre nicht im Sinne von Bruce LaBruce. Der 46-jährige Kanadier („Hustler White“) ist, ähnlich wie Gus Van Sant und Pedro Almodóvar,
seit einem Vierteljahrhundert eine feste Größe im queeren Kino. Er provoziert gern, tut das jedoch auf eine so verspielte Weise, dass man ihm nicht böse sein kann. Manchmal wäre es besser, seine Filme täten weh.

Mit „L. A. Zombie“ will er nur unterhalten und seine Lust an der Form ausleben. Zu den starken Bildern gesellt sich eine abwechslungsreiche Musikauswahl. Die Sexszenen sind nicht jedermanns Sache; dunkelrotes Ejakulat weckt eher gruselige
Assoziationen. Dennoch ist dies kein Antiporno, der einem die Lust verderben soll, sondern lediglich ein Porno für Liebhaber des schrägen Films.

Frank Noack
„L. A. Zombie“, D/USA/FR 2010, 63 Minunten, Soft Core Version jetzt in Berliner Kinos

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