Siegessäule - Tipp: Florian Gärtners „Außerirdische“

Film

Tipp: Florian Gärtners „Außerirdische“


Schwule Liebe in Zeiten des Anrufbeantworters: Das SchwuZ zeigt das Kleinod aus dem Jahr 1993 einmalig am 12.12.

SIS 8.12.2009 – Max ist traurig. Sein Lover Zenon hat nach zwei Monaten mit ihm Schluss gemacht, und sein bester Freund Tobias muss ihn jetzt trösten. Mehr passiert nicht in diesem Schwarzweißfilm, und das ist auch gut so. Bei so starker Stimmung braucht man keine Handlung. Florian Gärtner ist im Frühjahr 1993 ein wertvolles Zeitdokument gelungen, was er damals natürlich nicht wissen konnte. Obwohl im Nachwende-Berlin gedreht, wird hier die Mauerstadt wieder lebendig, als man in Kreuzberg lebte und an der Freien Universität Germanistik studierte und das Schwuz der angesagteste Treffpunkt war. Weil es noch keine SMS gab, hörte man nervös den Anrufbeantworter ab.

Manchmal nervt Max mit seinem wehleidig-devoten Blick. Lach doch mal, möchte man ihm zurufen. Selbst beim Sex weint er vor Glück. Er löst sadistische Gefühle aus; nach den Rückblenden zu urteilen, verband ihn mit Zenon eine SM-Beziehung ohne SM-Sex. So problematisch die Figur auch ist, Jasper Brandis liefert eine ansprechende Darstellung. Max Jugend entschuldigt alles: Wer war in dem Alter nicht genauso linkisch und dünnhäutig?

Von der ersten bis zur letzten Einstellung besticht die Sorgfalt der Inszenierung, das Spiel mit Bewegung (Züge, Rolltreppen) und Licht. Es verwundert nicht, dass die Kamerafrau Judith Kaufmann heute in der A-Liga spielt. Schon bei dieser kleinen Außenseiterproduktion war sie eine Meisterin ihres Fachs. Frank Noack

12.12., 21 Uhr, SchwuZ