Film
Lisa Cholodenko: Kein Lesben-Problemfilm
Die Regisseurin von „The Kids Are All Right“ hier im Interview
SIS im November 2010: Die Entstehung des Drehbuchs zu „The Kids Are All Right“ hat mehrere Jahre in Anspruch genommen. Was war der Grund dafür?
Lisa Cholodenko: Nun, zunächst habe ich alleine daran gearbeitet. Ein paar Monate später stieß dann mein Ko-Autor Stuart Blumberghinzu. Da wir in verschiedenen Städten leben, verging immer eine Menge Zeit, bis er nach Los Angeles kam oder ich zu ihm nach New York ging. Dazu kam, dass ich während der Entstehung ein Kind bekam. Ich legte eine eineinhalbjährige Pause ein, um die Zeit mit meinem Sohn verbringen zu können.
Inwiefern hat ihre Mutterschaft die Entwicklung des Drehbuchs beeinflusst?
Dadurch habe ich das Thema Kinderkriegen mit mehr Humor gesehen. Es stellt dein Leben auf positive und unvorhersehbare Weise auf den Kopf. Ich konnte mich besser in die Mütter meiner Geschichte hineinversetzen. Mir wurde bewusst, dass es im Film um die Familie geht und darum, was sie durchmachen muss. Doch im Kern sollte es um die Beziehung der beiden Frauen gehen und darum, was ihnen die langjährige Ehe bedeutet, während sie älter werden und zwei jugendliche Kinder haben, die rebellieren.
Wie hat sich Ihr eigenes Leben durch die Geburt Ihres Kindes verändert?
Oh mein Gott, darüber könnte ich zwei Stunden reden. [lacht] Mein Leben hat sich dadurch auf großartige Weise verändert. Ich hätte nicht erwartet, dass sich alles so verändern würde. Dadurch hatte ich eine Art Identitätskrise. Ich wohnte in der Vorstadt mit einem Baby und meiner Frau. Meine Frau ging arbeiten und ich blieb zu Hause mit dem Kind. Es verlief ziemlich konventionell, auf eine lustige, aber auch furchteinflößende Art.
Nach der Premiere auf dem Sundance Film Festival mussten Sie einige Szenen verändern, damit Ihr Film eine niedrigere Altersbeschränkung bekommt. Was genau haben Sie ändern müssen?
Es waren zwei Szenen, die ich ändern sollte. In diesem Land haben wir ein, wie ich finde, lächerliches System der Altersbeschränkung. Es hatte also nichts mit dem Produktionsstudio zu tun, sondern mit der MPAA. Sie wollten, dass ich Teile des Schwulen-Pornos schneide, den sich die Jungs auf ihrem Computer anschauen. Sie dachten, dass es gefährlich sei, wenn man zeigt, wie sich Jugendliche die Pornos ansehen. Zudem ging es um die Sex-Szene zwischen Julianne Moore und Mark Ruffalo. Sie mochten nicht, dass sie so lange dauerte und meinten, dass es nicht mehr lustig, sondern pornographisch wäre.
Die beiden homosexuellen Protagonistinnen Nick und Jules werden als vollkommen gewöhnliches Paar dargestellt. Würden sie Ihren Film dennoch als politisch bezeichnen?
Ja, ich bin sehr stolz darauf, dass Stuart und ich diese beide Frauen und ihre Familie einfach darstellen, ohne es zum Problem zu machen. In diesem Sinne sind wir politisch, wenn auch nicht auf offensichtliche Weise. Indem wir Aspekte wie Ehe, Treue, die Erziehung der Kinder und all die anderen Konflikte fokussieren, können sich die Zuschauer auf die Dinge konzentrieren, die viel spannender sind. Für mich ist das viel interessanter, als zu zeigen, wie schwer oder seltsam es ist, homosexuell zu sein.
Carlos Corbello
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