Film
LoLa filmt
LoLa, das ist Lothar Lambert. Sein neuer Film „Im tiefen Tal der Therapierten“ läuft im Rahmen seiner Retrospektive an.
SIS im Nov 2008.
Vor allem in den 70er- und 80er-Jahren genoss der Filmemacher wegen seiner unkonventionellen Themen den Starruhm eines Underground-Filmers, schaffte aber nie den kommerziellen Durchbruch. Er hat eine Vorliebe für die Randfiguren der Gesellschaft und besetzt die Rollen mit Laiendarstellern, die meistens sich selbst spielen.
© Matthias Reichelt
Thematisch handelt es sich bei „Im tiefen Tal der Therapierten“ wieder um einen typischen LoLa-Film: Einsamkeit, Altern, ungeklärte Mutterbindung, Liebesentzug, Inzest, sexuelle Identität. Andere Regisseure hätten Angst vor der Überfrachtung.
Also ich habe eher Angst, dass es zu wenig ist. Die Handlung schreitet ja nicht fort und steigert sich. Ich habe durch meine episodische Art zu drehen das Problem der Zusammensetzung beim Schneiden. Aber das ist der kreativste Moment, der auch am meisten Spaß macht, weil dann erst die Geschichte entsteht. Beim neuen Film ist mir aufgefallen, dass ich einige Figuren unterwegs verliere und andere erst in der Mitte oder später auftauchen. Das ist ganz reizvoll und mal was Neues. Aber ich hoffe, das verwirrt die Zuschauer nicht oder macht sie sauer.
Deine künstlerische „Handschrift“, die harten Schnitte und kurzen Sequenzen, werden schon mal als professioneller Dilletantismus beschrieben.
... was man gemeinhin „Underground“ nennt ...
Würdest du dir heute noch erlauben, so freizügige Sexszenen wie früher zu bringen?
Das hat mit erlauben nichts zu tun. Das Bedürfnis ist gar nicht mehr da, weil die ganzen Zeitumstände nicht mehr existieren. Und dann bin ich auch älter und Sex spielt nicht mehr so eine entscheidende Rolle im Leben. Mit mir sind auch die Darsteller älter geworden, und es rücken andere Themen in den Vordergrund. Angst vor Krankheit, letztes Aufbäumen und noch mal intensiv leben wollen oder Trennungsschmerz. Eben alles, was einen auch privat beschäftigt.
Im neuen Film sagt der erfolglose Künstler in einer deprimierenden Situation: „Leben ist Film, Film ist Leben.“
Das würde ich auch unterschreiben. Das war kein vorgegebener Text.
Selbst in deinen traurigen Filmen ist immer ein Funke Humor spürbar. Ist das eine Art Credo für dich?
Ich habe eigentlich gar kein Credo. Ich lebe einfach und filme.
Interview: Matthias Reichelt
LAMBERTMANIA – Ein Mann und seine Family, 20.11.–3.12
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