Siegessäule - Muttersöhnchen unter Mordverdacht: „Mother“ jetzt im Kino

Film

Muttersöhnchen unter Mordverdacht: „Mother“ jetzt im Kino


Thriller, Kriminalfilm oder Gesellschaftsdrama? Dieser südkoreanische Film bildet ein Konglomerat aus allen drei Genres.

SIS 18.8.2010 – Wie der Titel unschwer erkennen lässt, liegt der Fokus auf der Mutterrolle, und auch wenn diese in Südkorea eine größere Rolle als anderswo spielen mag, so übertreibt es die verwitwete Hye-ja (Kim Hye-ja) mit ihrer fast inzestuösen Fürsorge und Obhut gegenüber ihrem Sohn Do-jun (Won Bin). Der ist zwar bereits Ende zwanzig, lebt aber aufgrund seiner „andersartigen Begabung“ immer noch bei Mutti, die ihn selbst beim Pinkeln kritischen Auges mustert. Als Do-jun bald darauf verdächtigt wird, eine Schülerin ermordet haben zu haben, und er – auch wenn er sich an die Tat nicht erinnern kann – ein Schuldeingeständnis unterschreibt, ist es um seine Löwenmutter geschehen. Hye-ja zieht alle Register, um die Unschuld ihres Sohnes zu beweisen, und entdeckt, dass die vermeintlich anständige Schülerin als Hure gearbeitet und heimlich ihre Freier mit dem Handy fotografiert hat. Da das Handy verschwunden ist, scheinen alle Wege in das Rotlichtmilieu zu führen. Als jedoch auch Hye-ja Zweifel an Do-juns Unschuld bekommt, fasst sie einen tödlichen Entschluss ...

„Mother“ ist keine leichte Kost, zumal Regisseur Bong Joon-ho („The Host“) der erdrückenden Mutterfigur kaum Identifikationsmöglichkeiten zuschreibt. Dennoch ist es ein sehenswerter Film, der von den düsteren und dauerverregneten Kameraeinstellungen lebt, von den kuriosen Richtungsänderungen, die der Thriller einschlägt und vor allem von der brillanten Darstellung Kim Hye-jas, die dafür bei den Asian Film Awards 2010 als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde.

Silvy Pommerenke 

„Mother“, Südkorea 2009, Regie: Joon-ho Bong, 128 Minuten