Siegessäule - Nicht wirklich authentisch: „Helen“

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Nicht wirklich authentisch: „Helen“


Der Film will das Thema „Depressionen“ dem breiten Publikum nahebringen, ist aber zu glatt

SIS im November 2009 – Seit dem Selbstmord von Nationaltorwart Robert Enke wird die Volkskrankheit Depression ja nicht nur in den Medien verstärkt diskutiert. In ihrem neuen Spielfilm „Helen“ thematisiert auch Sandra Nettelbeck das Thema, das auch eine persönliche Dimension für sie hat. Der Film der 41-jährigen Regisseurin ist einer verstorbenen Freundin gewidmet, die sich nach langer psychischer Krankheit umgebracht hat. Acht Jahre lang hat Nettelbeck an dem Film gearbeitet, jetzt hofft sie, den schwierigen Stoff im Film hinreichend zu reflektieren. Sie hat sich dazu entschieden, den Film auf Englisch und mit amerikanischer Star-Besetzung zu drehen, damit sich der Streifen weltweit möglichst gut verkauft und möglichst viele Menschen erreicht. 

Im Mittelpunkt der Handlung steht die vermeintlich gut funktionierende Musikprofessorin Helen (Ashley Judd). Sie ist attraktiv, glücklich verheiratet, beruflich erfolgreich. Doch eines Nachts trifft sie in einem Übungsraum der Uni die Studentin Mathilda, die beim Cellospielen immer an der selben Stelle des Stückes versagt und sich in den Misserfolg hineinsteigert. Die Begegnung bedrückt Helen immer mehr, sie muss plötzlich scheinbar unmotiviert weinen, schließlich die Diagnose: Depressionen. Ihre nicht zum ersten Mal auftretende Krankheit, die sie bislang vor ihrem zweiten Mann David (Goran Visnjic/ „Emergency Room“)) geheim gehalten hatte, belastet zunehmend Beruf und Familie.

In der psychiatrischen Klinik erhält sie von unerwarteter Seite Hilfestellung, denn dort ist auch Mathilda wegen ihrer Gemütsstörungen in Behandlung. Helen entfremdet sich von ihrem verständnisvollen Ehemann, zieht mit Mathilda zusammen und entscheidet sich zuletzt für Elektroschocks als Therapieform. Die beiden Frauen kommen sich immer näher, einmal kommt es sogar zum Kuss auf den Mund und die Zuschauerin fragt sich, wie Helen zu ihrer Familie zurückkehren soll, ohne Mathilda zu verlassen. Die Lösung beruht zwar auf wahren Begebenheiten, ist aber irgendwie auch typisch für das Ende einer intensiven Frauenbeziehung unter Heteros, denn Mathilda bringt sich um. Lauren Lee Smith überzeugt in der Rolle der Studentin und dürfte lesbischen Zuschauerinnen gefallen.

Wichtiges Thema, aber leider ist Sandra Nettelbecks Film viel zu glatt geraten. Obwohl Hauptdarstellerin Ashley Judd 2006 selbst an Depressionen erkrankte, wirkt sie nicht wirklich glaubwürdig, denn sie ist immer bildschön, hat nie verquollene rote Augen vom Weinen oder strähnige Haare. Schade um die vertane Chance.
Andrea Winter

D 2008, 119 Minuten, Regie: Sandra Nettelbeck, D: Ashley Judd, Goran Visnjic, Berlin Kinotermine


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