Siegessäule - Obsessiv: „Emma und Marie“

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Film

Obsessiv: „Emma und Marie“


Sophie Laloys Debütfilm „Je te mangerais˝ (Ich fresse dich) unter dem etwas harmloseren Titel „Emma und Marie” aktuell im Kino

SIS im Dezember 2009 – Natürlich war es schlimm, wie Lesben jahrzehntelang auf der Leinwand dargestellt wurden. Schwule durften wenigstens lustig sein; Lesben mussten in Notwehr erschossen oder von einem Baum erschlagen werden. Die Forderung nach positiven Rollenmodellen war also völlig legitim. Aber jetzt haben wir das andere Extrem: den Feel-Good-Virus, der das queere Kino lähmt. Banale, seichte Filme, deren lesbische Heldinnen so penetrant ihr Glücklichsein zur Schau stellen, dass man ihnen kein Wort glaubt. Da kommt ein Film wie EMMA UND MARIE gerade recht. Im Original heißt er JE TE MANGERAIS (ICH WERDE DICH FRESSEN), was seine Handlung viel besser auf den Punkt bringt. Marie (Judith Davis) wird am Konservatorium zur Pianistin ausgebildet und darf bei ihrer Schulfreundin Emma (Isild Le Besco) kostenlos wohnen. Marie ist arm, naiv und bisexuell. Emma degegen ist reich, klug und lesbisch. Klare Machtverhältnisse also. Und Emma hält sich nicht lange mit Zärtlichkeiten auf. Sie packt Marie, schleudert sie gegen die Wand, wirft sie auf den Fußboden. Um die Freundin am Fremdgehen zu hindern, schließt sie sie sogar ein. Sophie Laloys autobiografisch beeinflusster Debütfilm beschreibt präzise, wie sich die Machtverhältnisse ändern, wie Emma zunehmend leidet und Marie Stärke entwickelt. Auch wenn die Handlung gelegentlich an EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE erinnert: Laloy dämonisiert Emma niemals, vielmehr erweist sich Marie als verantwortungslos. Sie benutzt Frauen und Männer gleichermaßen und denkt nur an die Perfektionierung ihres Klavierspiels. Dieser Film polarisiert, das war die Absicht der Regisseurin. Und soviel sei verraten: Es gibt kein blutiges Ende mit einer toten Lesbe. Überhaupt hat er mehr zu bieten als ein Eifersuchtsdrama. Er ist ein Muss für Musikliebhaber, und die Auswahl der Klavierstücke, die Marie übt, stellt selbst vergleichbare Filme wie DIE KLAVIERSPIELERIN und DAS MÄDCHEN, DAS DIE SEITEN UMBLÄTTERT in den Schatten. Für schwule Zuschauer ist der Film wegen Johan Libéreau sehenswert, dessen Judo-Film KALTE DUSCHEN bei uns nur als DVD erschienen ist. Er verkörpert mit seinem üblichen Körpereinsatz den lieben, etwas tumben Musikstudenten Sami, der Marie aufgibt, weil er der Konkurrenz von Emma nicht gewachsen ist. Frank Noack
Seit 3.12. im Kino


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