Siegessäule - „Orly“: Coming-out im Transitbereich

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Film

„Orly“: Coming-out im Transitbereich


Mut zu lange verheimlichten Wahrheiten finden die Handelnden des Films im Durchgangsraum Flughafen

SIS 11.10.2011 – Öffentliche Orte oder private Räume des Rückzugs: Immer wieder interessiert sich die Berliner Regisseurin Angela Schanelec in ihren Filmen für Räume. Ihr neuestes Werk heißt „Orly“ und da landet die Regisseurin formal brillant mitten im Pariser Großflughafen, einem anonymen Platz des Übergangs von hier nach dort.

Fast dokumentarisch fängt die Kamera das Gewimmel der Reisenden ein: den Rhythmus von Ankunft und Abreise, die Hektik, den Stress, aber auch die Ruhe beim Warten. Aber dann verlässt die Kamera die anonyme Masse, zoomt näher heran und bleibt bei acht Personen hängen, deren Geschichten skizziert werden. Vier Geschichten, die sich genau deshalb im Flughafen abspielen, erklärt die Regisseurin, weil bestimmte Situationen und Gespräche nur dort und nirgendwo anders zustande kommen können.

Lose verbundene Szenen: ein Mann und eine Frau, beide Exil-Franzosen, lernen sich zufällig kennen. Ein junges Paar macht seine erste große Reise, eine Frau liest einen Brief des Mannes, den sie gerade verlassen hat und eine Mutter und ihr fast erwachsener Sohn sind unterwegs zur Beerdigung des Exmannes bzw. des Vaters. 
Plötzlich erzählt der junge Mann seiner Mutter, dass er schwul ist. Als einzige Figur des Films ist er in der Sicherheitskontrolle zu sehen, weil er durch das, was er ist, ohnehin schon eine gewisse Spannung in sich trägt. Und deswegen fand die Regisseurin „dieses Kontrolliert-Werden“ bei ihm interessanter als bei einer der anderen Figuren.

Schanelecs Resüme: Personen im Flughafen können nicht agieren, sondern nur reagieren. Und deshalb ist dann auch die Entscheidung seiner Mutter, etwas über sich mitzuteilen, nur eine Folge, eine Reaktion. Ein sehenswerter Film.

Andrea Winter

„Orly“, Deutschland, Frankreich 2009, Regie & Drehbuch: Angela Schanelec; mit Bruno Todeschini, Natacha Régnier, Emile Berling, Mireille Perrier u.a., Musik: Cat Power; 84 Minuten

hier zu den Kinoterminen in Berlin

 


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