Film
Ottingers „Freak Orlando": Lächeln in einer surrealen Welt
In der Reihe Blickpunkt Potsdamer Platz im Arsenal am 30.7./13.8./27.8.
SIS 29.7.09 – Mit dem Kino Arsenal ist Ulrike Ottinger seit langem eng verbunden. Hier läuft nun noch dreimal in der Reihe „Blickpunkt Potsdamer Platz“ ihr 28 Jahre alter – aber immer noch spannender – Film „Freak Orlando“.
Typisch Ottinger: Ihre fantasievolle Bildercollage ist hochgradig artifiziell und enthält eine Fülle von kunsthistorischen und literarischen Anspielungen. Die Hauptfigur namens Orlanda Zyklopa ist dem Orlando aus Virginia Woolfs Roman nachempfunden und realisiert den alten Traum vom androgynen Menschen. Wie im Roman ist Orlando auch im Film unabhängig von Zeit und Vergänglichkeit und verfügt schon allein wegen seines biblischen Alters irgendwann über monströse Erfahrungen.
Die Berliner Regisseurin erzählt die Weltgeschichte der Freaks in fünf Akten. In der Antike setzt die Handlung ein und entwickelt sich über das Mittelalter, 18. und 19. Jahrhundert bis in die poppigen Discojahre der 80er. Wie bei Virginia Wolf lebt sich Freak Orlando durch verschiedene Jahrhunderte und wird nach seinem Tod wiedergeboren. Aber ist diese ständige Wiederkehr ein Trost? Auf seinen Streifzügen durch die Geschichte wird der androgyne Titelheld mit einer Welt voller Irrtümer, Entartungen, Machthunger, Angst, Grausamkeit, Geist und Religion konfrontiert.
Ottingers zweiten kulturhistorischen Bezug bildet Todd Brownings Film „Freaks“ von 1932. Wie bei „Freak Orlando“ geht es auch in dieser filmischen Vorlage um die Zurschaustellung von abnormen Menschen in einem Zirkus. Was Ulrike Ottingers bildgewaltigen Streifen zu guter Letzt so sehenswert macht, ist die wunderbare Besetzung. Ob als Orlanda Zyklopa/ Orlando Capricho/Orlando Orlanda/ Herr Orlando oder Frau Orlando, die wunderschöne Magdelana Montezuma spielt die zahlreichen Variationen und Geschlechterversionen dieser einen Person. Im weißen Dandy-Outfit hängt ihr die dicke Schlangenhaut unter dem weißen Hut hervor und sie verbreitet die Eiseskälte einer Kunstfigur. Unzählige Rollen spielt auch die viel menschlichere Delphine Seyrig und setzt ihr sanftes Timbre, ihre zarten Blicke und ihr Lächeln dagegen. Lächeln hilft immer, auch in einer surrealen Welt.Andrea Winter
Reihe Blickpunkt Potsdamer Platz: „Freak Orlando“, Regie: Ulrike Ottinger, BRD 1981, OmE, 126 Minuten,
Kino Arsenal, alle 14 Tage Donnerstags, 30.7./ 13.8./ 27.8., um 17 Uhr
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