Siegessäule - „Reich mir deine Hand“–komplexe Beziehung zweier Zwillinge

Film

„Reich mir deine Hand“–komplexe Beziehung zweier Zwillinge


SIS im Februar 2009 „Wie wird ein Mensch zum Individuum? Das ist die zentrale Fragestellung des französischen Spielfims „Donne-moi la main/Reich mir deine Hand“.
Die Zwillinge Antoine und Quentin sind auf dem Weg zu deren Beantwortung. Sie reisen per Anhalter zum Begräbnis ihrer Mutter, die sie aber nie kennengelernt haben. Der Trip nach Spanien offenbart immer wieder die große Nähe und Vertrautheit, aber auch die Aggression zwischen den jungen Männern. Sie prügeln sich oft scheinbar ohne Grund, schlafen nachts eng aneinandergekuschelt – ein Bild voller Zärtlichkeit und Verheißung. Ob sie auf Frauen oder Männer treffen, immer ist sexuelle Anziehung im Spiel, und jede(r) legt gern Hand an.

Allerdings ist die Beziehung der Zwillinge untereinander komplexer, als sie es selbst ahnen. Sicher spielt Rivalität dabei eine Rolle – oder ist es Eifersucht? Egal, ob Quentin mit dem Mädchen Clémentine schläft oder nach einem Tagesjob mit dem Erntehelfer Hakim: Antoine ist verstimmt, auch wenn er den beiden Jungs sogar ganz gern zugesehen hat. Nachdem Antoine – aus Rache? – Quentin für 100 Euro an einen Bahnhofs-Freier vermitteln will, trennen sich ihre Wege zunächst. Am Grab der Mutter treffen sie sich wieder, und es kommt erst zu einer kleinen Versöhnungsgeste, danach fast zu einem weiteren Todesfall.

So kantig ihr Kinn, so hölzern leider auch das Spiel der beiden Hauptdarsteller. Der Film gestattet den unbewegten Mienen kaum ein Lächeln, was die Zwillinge zu beinah tragischen Helden stilisiert. Karg an Emotion und nur bedingt reich an Bildern ist dieser Erstling von Pascal-Alex Vincent, der allenfalls den Fetisch Zwilling bedient.  
Frank Hermann

„Reich mir deine Hand“, Regie: Pascal-Alex Vincent, mit Victor Carril, Alexandre Carril, Anaïs Demoustier, Katrin Saß, 80 Min.