Siegessäule - Runaways: Rock'n' Roll und Rolemodels

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Film

Runaways: Rock'n' Roll und Rolemodels


Die legendäre erste weibliche Rockband als Filmstoff: rebellisch, aufregend, aber leider nur mittelmäßig umgesetzt, jetzt auf DVD

SIS 23.12.2010 – In grauer Vorzeit, irgendwann in den 1960er- und 70er-Jahren, schockten junge Menschen ihre Umgebung mit dem Hören von Rockmusik. Was damals alle für normal hielten: die Musiker waren allesamt Männer. Doch dann kam Suzi Quatro und zeigte der Welt: eine Frau kann sehr wohl Rockmusik machen. Im Jahr 1975 schließlich traten fünf weibliche Teenager aus Los Angeles an und griffen sehr mutig und zugleich naiv zu den Instrumenten und nach den Sternen. Die Runaways sollten die Rockmusik für immer ändern. Weil sie ihr ein neues Geschlecht gaben – das weibliche!

Weiblicher Aufbruch in der Popkultur

Ohne Suzi Quatro und die Runaways hätte es später Frauen im Rock, im Punk oder Riot Grrrls kaum gegeben! Zu verdanken wiederum ist dies keinem Geringeren als David Bowie und seinen aufmüpfigen, oftmals bisexuellen, lesbischen und schwulen Fans des Glamrock. Aus denen rekrutierten sich 1975 nicht nur die Runaways, sondern auch die vielen jungen wütenden Mädchen, die in den 70er-Jahren die Runaways hofierten, ihnen nacheiferten und sich einem bürgerlich-spießigen Lebensentwurf als Hausfrau und Mutter entzogen. Basierend auf der Biografie der Runaways-Sängerin Cherie Currie, „Neon Angel“, hat Regisseurin Floria Sigismondi ein wichtiges Dokument der Popkultur geschaffen.

Erstmals und etwas deutlicher als in Curries Buch werden im Film auch die erotischen Verwicklungen der fünf Mädels untereinander angedeutet. Allen voran natürlich das knisternde Verhältnis zwischen der damals 16-jährigen Joan Jett und der charismatischen 15-jährigen Sängerin Cherie. Den Songs über Liebe, Lust und wildes Leben tat das sicherlich keinen Abbruch, der Harmonie in der Band allerdings schon. Nach dem endgültigen Bruch der Band 1979 war nur Joan Jett eine erfolgreiche Karriere in der Rockmusik vergönnt.

Das unter die Haut gehende Zeitdokument, voller Frauenpower und Rock-’n’-Roll-Gefühl, wurde wegen seiner schwachen Regie leider nur ein mittelmäßiger Film. Dennoch hätte er es verdient, auch in Deutschland in die Kinos zu kommen, denn ein bisschen mehr weiblicher Rock ’n’ Roll hätte uns gutgetan.
Manuela Kay

„The Runaways“, USA 2009, Capelight Pictures/Alive,
jetzt als DVD erhältlich


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