Siegessäule - Schwule Kreativität – „LIVE FILM! Jack Smith!“

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Film

Schwule Kreativität – „LIVE FILM! Jack Smith!“


Imposante Werkschau im Arsenal und Hebbel am Ufer, die an den Filmemacher und Performer Jack Smith erinnert, ab 28.10.

© Ozi Parnes Flaming Creature:Jack Smith

SIS 26.10.09 – Auf unzähligen Gebieten haben Schwule eine wichtige Rolle gespielt, beim Undergroundfilm der 60er-Jahre war es sogar die Hauptrolle. Diese Subkultur, repräsentiert vor allem durch Andy Warhol und Kenneth Anger, war fest in schwuler Hand. Heterosexuelle brauchten den Underground nicht; sie konnten ihre Visionen in einem zunehmend durchlässigen Mainstream umsetzen. Eine heute kaum noch nachvollziehbare Brüskierung war die unverhohlene Liebe zum alten Hollywood-Schund. Schwule erkannten, wie viel Kreativität in exotischen Melodramen wie Robert Siodmaks „Cobra Woman“ (1944) steckte. Zahlreiche dieser knallbunten Kostüm- und Abenteuerfilme sind heute etablierte Klassiker. Aber in den 60er-Jahren waren es noch verbotene Früchte, von denen nur ein paar, meist schwule Insider, kosteten.
Auch Jack Smith schwärmte für lateinamerikanische B-Picture-Diven wie Maria Montez und Yvonne de Carlo. Sein einziger längerer Film ist „Flaming Creatures“ (1963). Smith bezeichnete das Werk als „eine Komödie, die in einem verhexten Musikstudio spielt“. Streng genommen handelt es sich um die Dokumentation einer Tuntenparty, die aus dem Ruder läuft. Der Raum ist liebevoll, aber dilettantisch dekoriert und soll eine Art Harem darstellen. Das Budget reichte immerhin für eine große Vase. Die Señoritas sind von unklarem Gender, solange sie ihre Sachen anbehalten. Komischer Höhepunkt ist ein Schminkkurs im Stil eines Werbespots, zunächst ganz harmlos, bis die Testperson fragt, ob der Lippenstift beim Blasen verwischt. Die New Yorker Polizei achtete nur auf die leinwandfüllenden Schwänze, beschlagnahmte die Kopie, Smith wurde wegen Pornografie verurteilt.
Zu seinem 20. Todestag wird Jack Smith mit einer beeindruckenden Rekonstruktion seines Werks geehrt. Das Arsenal und das Hebbel am Ufer (HAU) veranstalten die aufregende interdisziplinäre Reihe „LIVE FILM! JACK SMITH!“ mit Performances, Konzerten, Vorträgen und Diskussionen, die sich um Smith und seine selten gezeigten Werke drehen.
Frank Noack

Siegessäule präsentiert: „Live Film! Jack Smith! Five Flaming Days in a Rented World“, 28.10.–1.11., www.arsenal-berlin.de, www.hebbel-am-ufer.de.


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