Siegessäule - „Sehnsuchtswelten“: Große Werner Schroeter Retrospektive

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Film

„Sehnsuchtswelten“: Große Werner Schroeter Retrospektive


Starke Frauen, schöne Männer, große Gesten: Die Filme von Werner Schroeter entwerfen surrealistische Welten, im Kino Arsenal ab 15.5.2009

Werner Schroeter (vorne) mit Rosa von Praunheim, vermutlich Ende der 70er

SIS 13.5.2009 – Im deutschen Film der siebziger Jahre gab es, nach Jahrzehnten der Ausgrenzung und Diskriminierung, plötzlich drei offen schwule Regisseure auf einmal. Und obwohl sie schwul waren, lebten sie in völlig verschiedenen Welten. Fassbinder drehte realistische Dramen, gesellschaftskritisch und mit psychologischer Tiefe. Praunheim war der unermüdliche Aktivist. Schroeter verweigerte sich dem Realismus ebenso wie dem Aktivismus.

Der Maria-Callas-Fan, der sein Idol noch persönlich kennengelernt hat, war in der Welt der Oper zuhause. Er schuf künstliche Räume, in denen die Darsteller so wenig naturalistisch wie möglich agierten. Selbst wenn in einem seiner Filme nicht gesungen wurde, dominierte die große Geste, das künstliche Licht, die stilisierte Dekoration, der enthemmte Todeskitsch. Schroeter ist immer noch aktiv und hat sich in den letzten Jahren auf Interviewfilme spezialisiert. Für "Poussières d'amour" (1996) holte er Martha Mödel und Trudeliese Schmidt vor die Kamera, für "Die Königin" (2000) Marianne Hoppe. Abgesehen davon, dass er am 7. April 1945 in Georgenthal (Thüringen) geboren wurde, gibt es über seine frühen Jahre keine zuverlässigen Daten. "Ich bin eigentlich vom 7. bis zum 14. Lebensjahr täglich verkloppt worden in der Schule. Ich hab mich auch nie dagegen gewehrt, es hat mich bloß traurig gemacht", bekannte er in einem Interview.

Solche Erlebnisse erklären Schroeters unverkennbares Frauen- und Männerbild. Die Frauen sind stark und mütterlich, die Männer schön und passiv. Seine Liebe zur Musik beschränkte sich nicht auf die Oper, so dass man neben Callas-Arien auch Caterina-Valente-Schlager hören konnte. Die Retrospektive im Arsenal wird filmwissenschaftlich begleitet. Für Einführungen und Diskussionen stehen Dietrich Kuhlbrodt, Gertrud Koch und Heide Schlüpmann zur Verfügung, drei Vertreter einer durchgeknallten Filmkritik, die vom Aussterben bedroht ist.

Frank Noack

Sehnsuchtswelten, 15.-31.5., Kino Arsenal
Eröffnung in Anwesenheit von Werner Schroeter, 15.5., 20 Uhr

hier zum ganzen Programm

besonders sehenswert:

„Willow Springs“ (1972-73): männermordendes Frauentrio

"Der Rosenkönig" (1984-86): nichts für schwache Nerven

„Malina"  (1991): wunderbar schräges Melodram





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