Siegessäule - „Séraphine”: Zwischen Genie und Wahnsinn

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Film

„Séraphine”: Zwischen Genie und Wahnsinn


Der schwule Außenseiter Uhde verhilft einer ungewöhnlichen Künstlerin nach dem 1. Weltkrieg zum Durchbruch, aktuell im Kino

© Arsenal Filmverleih

SIS im Dezember 2009 – „Deine Blumen sind absonderlich. Sie bewegen sich, sehen aus wie Insekten. Wie Augen, verwundete Augen. Zerfetztes Fleisch. Entsetzliche Dinge“, sagt eine Frauenstimme während die Kamera über die monumentale Leinwand fährt als gelte es nicht ein Bild, sondern eine ganze Vegetation zu erkunden. In einer Art Trance mit ritualartigem Ablauf kreierte die heute als eine der Hauptvertreterinnen der „naiven“ Malerei bekannte Séraphine de Senlis (Yolande Moreau) ihre Werke – nachts, nach einem mühseligen Tag als Haushälterin und Wäscherin. Das mit sieben Césars ausgezeichnete Biopic von Martin Provost konzentriert sich auf einen circa 20 Jahre umfassenden Lebensabschnitt der bis zum Wahn gläubigen Künstlerin, die mit ihrer Malerei einem Diktum ihres Schutzengels zu folgen glaubte.

Als der deutsche Kunstexperte Wilhelm Uhde (Ulrich Tukur) 1912 in das Dorf Senlis zieht, entdeckt er das außergewöhnliche Talent der verschrobenen Frau. Genau wie sie lebt er zurückgezogen, zumal er auch als schwuler Junggeselle eine Außenseiterposition in der Gesellschaft einnimmt. Nach Kriegsbeginn muss Uhde fliehen. Erst als er 1926 nach Frankreich zurückkehrt, wird er Séraphines Mäzen. Auf dem Höhepunkt ihres kreativen Schaffens angelangt, weicht Séraphines Genialität mehr und mehr ihren Wahnvorstellungen ...

Jegliche Form von Kunst findet vor der und nicht durch die Kamera statt. Mit langen Einstellungen, sparsam ausgeleuchteten Schauplätzen reduziert Provost den Einsatz technischer Möglichkeiten bis zur spartanischen Schlichtheit. Die Kamera hält dabei stets eine respektvolle Distanz zu Yolande Moreau. Als Zuschauende kommen wir Séraphine ganz nah, ohne jemals ihre Perspektive einzunehmen. Ein sehr empfindsamer, streckenweise aber auch recht langatmiger Film, dem eine Straffung des Plots nicht geschadet hätte.
Arwen Haase

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