Film
Tilda Swinton in „I am Love”, jetzt im Kino
Die Schauspielerin im Interview über ihre Rolle in dem Film an dem sie elf Jahre mit Regisseur Luca Guadagnino arbeitete
SIS 28.10.2010 – Ab heute ist Tilda Swinton in „I Am Love“ im Kino zu sehen. In diesem Melodram spielt sie Emma Recchi, die Gattin eines reichen Mailänder Modeunternehmers, die sich über ihre Liebesbeziehung mit einem Koch emanzipiert. Siegessäule sprach mit ihr über Mütter von homosexuellen Kindern, Orgasmen beim Essen und ihren 50. Geburtstag im November.
Sie präsentierten kürzlich Ihren Film „I Am Love“ vor einem schwul-lesbischen Publikum bei MonGay im Kino International. Wie war die Stimmung? Großartig, ich wurde sehr herzlich begrüßt. Außerdem liebe ich das Kino International.
Von der ersten Idee bis zum fertigen Film arbeiteten Sie mit Regisseur Luca Guadagnino elf Jahre an „I Am Love“. Änderte sich in dieser langen Zeit Ihre Einstellung gegenüber Emma? Es klingt sonderbar, aber Luca und ich sprachen nie über eine Entwicklung von Emma. Eigentlich ist „I am Love“ ein Märchen mit einem alten König, einer Königin, dem Küchenjungen und einem Zaubertrank im großen Schloss. Emma ist ein Archetypus und dabei verwandt mit Emma Bovary, Anna Karenina und vielen Frauen bei Douglas Sirk.
Nach „The Deep End“ spielen Sie zum zweiten Mal die Mutter eines homosexuellen Kindes. Wie unterscheiden sich diese Frauen? Margaret in „The Deep End“ ist die Frau eines Marineoffiziers und trägt Uniform, wenn auch nur eine unsichtbare. Sie beschützt ihren schwulen Sohn, aber mehr noch ihre Familie, weil sie große Angst hat, dass ihre Welt auseinanderbricht. Emma hingegen ist fremd in ihrem Milieu, obwohl sie seit 25 Jahren die passenden Kleider und den richtigen Schmuck trägt. Aber sie liebt ihre Kinder wirklich, sie liebt ihre lesbische Tochter.
Ist diese Tochter ein Vorbild für Emma? Sie ist sogar der Auslöser zu Emmas Befreiung. Emma findet diese Postkarte, auf der sie „I am Love“ liest und erkennt, dass ihre Tochter lesbisch ist. Da läutet plötzlich eine Glocke in ihr. Emma akzeptiert die Liebesgeschichte ihrer Tochter absolut, darin liegt ihre wahre Treue. Margret hingegen müht sich mit einer falsch verstandenen Fürsorge an ihrem schwulen Sohn ab, zu dem sie aber gar keine Verbindung hat.
Kürzlich emanzipierte sich „Pippa Lee“ im Kino, jetzt auch Ihre Emma. Erst durch einen anderen Mann befreien sich die beiden Frauen. Braucht es dabei immer einen Liebhaber? Liebe beginnt mit Selbstliebe und Selbsterkenntnis, aber meistens ist es die Liebe eines anderen Menschen, der uns Zugang finden lässt zur Selbsterkenntnis. Vielleicht wäre es gut, sich zu verändern, bevor diese andere Person auftaucht. Aber häufig erkennt man sich ganz erst in einem anderen, wenn man die beste Erfahrung beim Verlieben macht: Ich werde plötzlich geliebt. Wow! Dann lässt es sich leichter sagen: Ich muss nicht so wie bisher leben, ich kann jetzt auch weiterziehen.
„I Am Love“ macht auch Appetit wegen des köstlichen Essens. Geht Liebe wirklich durch den Magen? Klar, die erste Liebesszene im Film spielt zwischen Emma und dem Essen und nicht zwischen Emma und dem Mann, der es zubereitet hat.
Fast scheint es, als hätte Emma beim Essen einen Orgasmus. Ja, wir nennen die Szene auch Gastro-Porn.
Interview: Peter Fuchs
Tilda Swinton in „I Am Love“, Italien 2009, Regie: Luca Guadagnino, Kinostart 28.10., jetzt in Kinos in Berlin
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