Film
Triumph der Technik: 3-D-Spektakel „Avatar"
Spannend und total p.c.: der neue Film von James Cameron beeindruckt in mehrerlei Hinsicht
SIS 6.1.2010 – Hollywoodregisseur James Cameron hat sein Ziel erreicht: Sein neues Werk „Avatar“ ist der teuerste und bald auch der erfolgreichste Film der Geschichte, denn das digitale Abenteuer spielte in nur 17 Tagen – schneller als jeder andere Streifen – weltweit mehr als eine Milliarde US-Dollar ein. Und vermutlich wird der vorprogrammierte Blockbuster bald auch Camerons eigenen „Titanic“-Rekord brechen.
„Aliens“, „Terminator“ oder „Titanic“: Camerons Filme waren immer Vorreiter in Hollywood, allein was die technische Entwicklung betrifft. Die Idee für sein neues 3-D-Spektakel kamen dem in Kanada geborenen Künstler schon vor 14 Jahren, aber damals fehlten ihm die technischen Mittel, er konnte das aufwändige Filmprojekt nicht realisieren. Jetzt leitet seine digitale 3-D-Technik die Revolution des Kinos ein.
Die Handlung: Jake Sully (Sam Worthington) ist ein ehemaliger Fernaufklärer der US-Marines, also einer der Härtesten der Harten. Nach einer Verwundung ist er von der Hüfte abwärts gelähmt. Er reist für ein Forschungsprojekt zum weit entfernten Planeten Pandora. Dort studiert ein Team unter der Leitung von Dr. Grace Augustin (Sigourney Weaver) die Gebräuche der einheimischen Na’vi, und zwar mithilfe von eigens gezüchteten Avataren. Sie tragen menschliche und Na'vi-DNA und gleichen den blauhäutigen Ureinwohnern. Schließlich kommt es zum Konflikt, weil die bösen Erdlinge heilige Stätten der Na’vi zerstören wollen, um an wichtige Rohstoffe zu kommen. Jake Sully und Grace Augustin werden zu Anführern einer Revolte gegen die Ausbeutung Pandoras.
Der fast drei Stunden lange Film ist ein optisches Abenteuer: Camerons Computerteam zaubert fliegende Felslandschaften, fantastische Tierarten und eine Art Unterwasser-Urwald mit schwebenden Leuchtlebewesen und fluoreszierendem Moos auf die Leinwand – und via 3-D-Technik scheinbar in den Kinosaal.
Außer der betörenden Fauna und Flora gibt es für ein queeres Publikum aber noch weitere Attraktionen im „Avatar“-Cast: Neben der lesbischen Ikone und Alien-Bekämpferin Sigourney Weaver beweist Michelle Rodriguez („Girlfight – Auf eigene Faust“) erneut ihren feminin-butchigen Sex Appeal als couragierte Hubschrauberpilotin, Sam Worthington beeindruckt in der Rolle des sanftmütigen Soldaten mit Handicap, der seine zerstörerische Zeit längst hinter sich hat. Stephen Lang ist sein Pendant beim Militär und verkörpert Colonel Miles Quaritch, einen harten Brocken mit beeindruckenden Granitmuskeln und vernarbtem Gesicht.
Der Film, der zeitgleich mit dem fehlgeschlagenen Klimagipfel in Kopenhagen im Kino anlief, ist auch politisch absolut korrekt, denn Rassismus und Imperialismus sowie die Ausbeutung und Zerstörung fremder Völker und Länder werden auf unterhaltsame Weise verurteilt, demgegenüber wird das indigene Volk der Na’vi respekt- und würdevoll dargestellt. Auch in gendertheoritischer Hinsicht ist dieser Blockbuster erfreulich, denn Männer und Frauen sind hier gleichermaßen Jägerinnen und Gejagte, Anführerinnen und Lehrmeisterinnen, stark und verletzlich, böse und gut.
Andrea Winter
„Avatar – Aufbruch nach Pandora“, jetzt im Kino
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