Siegessäule - Verstörender Undergroundfilm „I dreamt under the water“

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Film

Verstörender Undergroundfilm „I dreamt under the water“


SIS 23.6.09 – Antonin (Hubert Benhamdine) ist ein Suchender. Gerade hat er Alex (Franck Victor), seine heimliche Liebe, verloren. Zu spät findet er den Freund und Bandleader auf der Toilette eines Clubs, als dieser gerade an einer Überdosis Heroin krepiert ist. Den Boden unter den Füßen verlierend, streift Antonin nachts durch den Park zum Schwulentreff, auf der Suche nach erotischer Ekstase. Nach und nach verliert er all seine Hemmungen, bricht Tabus. Unter sein bürgerliches Leben zieht er einen dicken Strich, doch sein neues als Callboy vermag die innere Leere in ihm nicht auszufüllen. Baptiste (Hicham Nazzal) versucht, ihm bei einem Neuanfang aus seinem selbstzerstörerischen Dasein zu helfen. Eines Nachts trifft Antonin auf Juliette (Caroline Ducey) und glaubt, in dem Mädchen seine große Liebe gefunden zu haben.

Regisseur Hormoz hat mit I Dreamt Under the Water ein filmisches Gedicht geschrieben, dessen drastische Bilder sich in die Netzhaut einbrennen. Versiffte Szene-Clubs, dunkle Gassen und heruntergekommene Wohnungen in den Pariser Banlieus bilden die Kulisse für den Undergroundfilm, der das Spielfilmdebüt des französischen Regisseurs darstellt. Verlorene Seelen und Verlierer wandeln apathisch durch eine sinnentleerte Welt. Ihr Leiden an dieser betäuben sie im Rausch von Drogen und Sex. Die Kamera (teilweise wurde der Film mit Handkamera gedreht) spielt dabei weniger die Rolle einer stillen Beobachterin, sondern kommentiert die Handlung mit ihren abrupten Bewegungen. Ihr Spielchen mit Distanz und Nähe treibend, rückt sie den Figuren auf den Leib oder verliert sie aus dem Bild, ohne ihnen zu folgen. Über den Schmutz des nackten Asphalts mit seiner ganzen Trostlosigkeit und emotionalen Kälte legt Hormoz einen elektronischen Klangteppich, dessen Beat und Lyrics sich bis an die Grenzen der Unerträglichkeit wiederholen und noch lange nach dem Abspann im Unterbewusstsein hämmern. Ein verstörender Film, der tief unter die Haut geht.

Arwen Haase
I dreamt under the water, Regie: Hormoz, Frankreich 2008

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