Siegessäule - „Was Liebe heißt“: monumentales Opus

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Film

„Was Liebe heißt“: monumentales Opus


Renaud Bertrands Familiensaga erzählt mit viel Personal die Geschichte des HIV-Virus in Frankreich, jetzt auf DVD

SIS 11.12.2010 – 200 Minuten dauert der für das französische Fernsehen produzierte Film „Sa raison d’être“ (deutscher Titel „Was Liebe heißt“), dessen Handlung sich von 1980 bis in die Gegenwart erstreckt. Vom Zerfall der Sowjetunion abgesehen lässt er nichts aus, was in jenen Jahren für Schlagzeilen gesorgt hat.

Im Mittelpunkt steht ein Antiheld, der unauffällige Nicolas (Michael Cohen). Er ist verheiratet und verklemmt schwul, seine Schwester Isabelle schleppt ständig geile Kerle ab, in die Nicolas sich dann verliebt. Ihre neueste Eroberung ist der blond gelockte Tischler Bruno (Nicholas Gob), für den Nicolas sogar in einen Fußballclub eintritt. François Mitterand wird Präsident; der Liebhaber eines Freundes von Nicolas stirbt an einer rätselhaften Blutkrankheit; man diskutiert über den Falklandkrieg. Dann geraten Isabelle und Bruno in einen bewaffneten Überfall, bei dem sie erschossen wird, während er 1) ins Koma fällt, 2) querschnittsgelähmt erwacht und 3) durch Blutkonserven mit HIV infiziert wird. Und das ist erst der Anfang. Die Ärztin Nadia (Nozha Khouadra), die Bruno betreut, kommt aus Nordafrika und ist in Frankreich antiarabischem Rassismus ausgesetzt. Dann hat Isabelle auch noch einen Sohn hinterlassen, für dessen Sorgerecht Nicolas und Bruno kämpfen.

Erstklassige Schauspieler, aber eine überladene Handlung

Es passiert einfach zu viel in Renaud Bertrands Film. Die Figuren gewinnen kein Eigenleben, sie bleiben Marionetten der Geschichte. Wenn Nicolas, mittlerweile offen schwul, in die Politik geht und sich in einen Kollegen verliebt, ist das natürlich ein konservativer, verklemmt schwuler Kollege, der eine homophobe Politik unterstützt. Auf die Dauer nervt es, wie dieser Film jeden Konflikt abhakt – und das mit einer penetranten Selbstgerechtigkeit. Alles ist richtig oder falsch, Zwischentöne gibt es nicht.  Das ist schade, denn der Film ist mit viel Liebe gemacht worden. Ausstattung, Kostüme, Frisuren und Musikauswahl könnten nicht treffender sein, und die Darstellerinnen und Darsteller sind erstklassig. Doch durch den aufgesetzten Handlungsreichtum gerät der Film in die Nähe einer Soap. Vor allem wird er dem deutschen Titel nicht gerecht. Was Liebe heißt, erfährt man nicht.  

Frank Noack

„Was Liebe heißt – Sa raison d’etre“, Original mit Untertitel,  als DVD bei Edition Salzgeber


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