Siegessäule - „Wasser und Blut“: eine Jugend voller Gewalt und Rassismus

Dein schwul-lesbisches Stadtmagazin für Berlin

Film

„Wasser und Blut“: eine Jugend voller Gewalt und Rassismus


In dem gelungenen Sozialdrama hat der schwule Teenager Sequan in New York einiges durchzumachen, bekommt aber Unterstützung, ab 2.9.

SIS 1.9.2010 – Der große Überraschungserfolg des vergangenen Jahres hieß „Precious“ und handelte von einer übergewichtigen afroamerikanischen Schülerin, die von ihrem Vater vergewaltigt und mit dem HI-Virus angesteckt wird, bevor sich eine sensible lesbische Lehrerin um sie kümmert.

„Wasser und Blut“ variiert dieses Thema. John G. Youngs Film handelt von einem schmächtigen afroamerikanischen Schüler, der von seinem Cousin vergewaltigt wird und auch sonst viel Gewalt erleidet, bis sich einfühlsame Erwachsene, nämlich ein Sheriff und eine Kinderbuchautorin, sowie eine frühreife blonde Mitschülerin seiner annehmen . Der schüchterne Brillenträger Sequan aus New York muss nach dem Tod seiner Mutter zu Verwandten in North Carolina ziehen und hat einen schweren Stand bei seinen Altersgenossen, da er sich nicht für Sport interessiert und lieber James Baldwin liest. Seine Schüchternheit überwindet er nur, wenn im Unterricht Rassismus in der Literatur behandelt wird; da hält Sequan Vorträge, die selbst den Lehrer verstummen lassen.

Vom Ton her ist „Wasser und Blut“ wesentlich ruhiger als „Precious“. Es gibt keine monströse Horror-Mama und die sexuelle Gewalt wird zurückhaltend inszeniert. Die Stärke des Films liegt in der Darstellung eines unsichtbaren Rassismus, denn Sequans Peiniger sind ebenfalls keine Weißen. Eine Ursache für deren Gewalt, daran lässt John G. Young keinen Zweifel, ist die Perspektivlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Sequans sexuelle Identität spielt in dem Kontext eine untergeordnete Rolle, da er sie ohnehin nicht ausleben kann. Zum Opfer wird er, weil er körperlich schwach ist. Als einzige Freunde in seinem Alter findet er Lori und Jake, ein weißes Geschwisterpaar aus besserem Haus. Als Lori liefert Elizabeth Dennis die stärkste darstellerische Leistung ab. Es ist auch die interessanteste Rolle, jenseits von Gut und Böse, von Opfer und Täter. Dass sie auf schwarze Männer steht, setzt scheinbar ein Zeichen gegen Rassismus. Doch dann sagt sie während des Vorspiels zu ihrem Lover: „Ich will dein Nigger sein.“ Und da kommen schon Zweifel an ihren Motiven auf. Sie bleibt dennoch eine Sympathieträgerin und, weil sie so mannstoll ist, die ideale Freundin für einen schwulen Teenager.                                                    

Frank Noack

„Wasser und Blut“, Regie: John G. Young, USA 2009, 84 Minuten, Kinostart: 2.9.

zurück

Kommentare


Noch kein Kommentar vorhanden...

Kommentar schreiben

*

*

*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Du die Ziffernfolge nicht lesen kannst, bitte hier klicken.


zurück

Weitere Artikel dieser Rubrik

Queer Termine Berlin

<<Mai>>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31
Detailsuche Termine >>
Printausgabe
siegessäule Printausgabe
Download
hier >>

Anzeige

Siegessäule-Service für Berlin

  • Alle Locations der Stadt!
    zur Suche

  • TV TIPPS: Jeden Tag neu!
    Zu den TV Tipps

  • Berlin for gays and lesbians: nightlife, culture, hotels, best places
    (english/german) More

  • Restaurant-Tipps
    Zur Suche

  • Branchenbuch Queer Berlin:
    Der Siegessäule KOMPASS
    Zur Suche

Jobangebot bei siegessäule

siegessäule sucht: Anzeigenberater/in im neu gegründeten Verlag Special Media SDL GmbH

Mehr

Schwullesbisch Reisen? queer-travel.net: wir waren wirklich dort!




Siegessäule fürs Handy

Siegessäule mobil: für alle Smartphones, ganz ohne App! Easy Termine checken!

Mehr

Open Siegessäule

Schickt uns eure Berliner Themen und Storys, wir schreiben drüber!

Mehr


Gay Twitter

Follow us at Twitter

Mehr

siegessäule Hefte-Archiv

Alle Printausgaben seit November 2008 HIER zum Download

Mehr

Siegessäule Partnermagazine

DU&ICH, Deutschlands schwules Magazin - jetzt zum Vorzugspreis als E-Paper bestellen!

Mehr

L-MAG, Magazin für Lesben. Mit: Interview mit Gossip-Schlagzeugerin Hannah Blilie

Mehr

Reisemagazin Queer Travel: Schwerpunkt Ägypten – online unter: queer-travel.net

Mehr