Siegessäule - WDR-Tatort aus dem Mittelalter

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WDR-Tatort aus dem Mittelalter


Reaktionär und wenig zeitgemäß fand Andrea Winter den Tatort „Familenbande“ – hier ihr Kommentar

© WDR/ Willi Weber Iris (li.) und Nadja, das unglückliche Liebespaar

SIS 7.12.2010 – In der Homohochburg Köln singt und lacht ja bekanntlich auch die schwul-lesbische Community mit zahlreichen Promis lauthals mit, nicht nur beim närrischen Treiben. Aber beim Kölner Tatort am letzten Sonntag blieb so mancher Zuschauerin das Lachen im Halse stecken.

In der 782. „Tatort“-Folge mit dem doppeldeutigen Titel „Familienbande“ mussten die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär) in der rheinischen Provinz ermitteln. Ein neunjähriger Junge wurde erfroren im Kühlcontainer eines Vorwerks in einem Örtchen am Stadtrand von Köln gefunden. Die Indizien deuten erst auf einen tragischen Unglücksfall hin, doch in der Familie des Jungen rumort es und auch im Ort tut sich mancher Abgrund auf.

Hass auf die lesbische Liaison

Zunächst gerät die Besitzerin des Vorwerks ins Zentrum der Ermittlungen. Iris Findeisen ist erst seit etwa einem Jahr hier ansässig. Ob aus privatem oder geschäftlichem Interesse, jeder scheint sie loswerden zu wollen. Allen voran Bernd Bürger, der Vater des verstorbenen Jungen. Für seine Hassgefühle hat er allen Grund, denn vor der Ehe hatte seine Frau Nadja eine Liaison mit Iris, jetzt entdeckt sie ihre Gefühle für die Freundin wieder und lässt ihren Mann sitzen.

Die beiden Frauen werden zwar als glückliches Paar dargestellt, doch sie sind dem aggresiven Unmut und den Vorurteilen der Umgebung ausgesetzt. Ines wird sogar des Mordes an dem Kind ihrer Freundin verdächtigt. Weil Nadja geht, sind der verlassene Ehemann, die dort lebende Mutter und das Familienunternehmen urplötzlich ruiniert und schon steht der Vorwurf im Raum, dass die immer schon lesbische Iris das Leben der Familie zerstört hat – und alles andere dazu.

Zurück ins heterosexuelle Nest

Schließlich entscheidet sich das lesbische Paar, nach Köln zu ziehen, weil es von der heterosexuellen Mehrheit derart gemobbt wird. Doch dann kommt der absolut reaktionäre Hammer: Nadjas Mutter lebt noch im Hause des leidenden betrogenen Ehemanns, schleicht in aller Früh auf den Gutshof und erschießt Iris. Die trauernde Nadja fährt fast mit ihrem Auto gegen einen Baum, findet aber am Ende wieder ihren heterosexuellen Frieden: am Grab ihres Sohnes stehen der gehörnte Ehemann und seine eben noch lesbische Frau eng zusammen. Im Abspann rätseln die beiden Kommissare, ob das Heteropaar wieder zusammen kommt, vermuten dies stark und wünschen es ausdrücklich. 

Dieser „Tatort“ zeigte, dass ein „Ausflug“ ins lesbische Leben offenbar ganz einfach umzukehren ist und eine schlimme Verirrung darstellt, die sämtliche Familienwerte und die ökonomischen Grundlagen der Sippe zerstört. Ein solches Drehbuch made in Köln ist im Jahr 2010 einfach unglaublich. Unglaublich reaktionär und unglaublich unzeitgemäß. Herzliches Beileid, lieber WDR, zu so einem Drehbuch mit mittelalterlicher Handlung.

Andrea Winter

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Kommentare


Einmal Lesbisch immer Lesbisch ? Wie viel scheinbar gescheiterte Beziehungen finden wieder zu einander , aus den verschiedensten Gründen , vielleicht sogar aus Liebe.......aber kaum wegen der sexuellen Zugehörigkeit .......

von: Rotkäpchin, 09.12.2010 00:56 Uhr

Ein Tatort zur Primetime wird mit Sicherheit nicht den Anspruch haben, einer auf dem Sofa sitzende Masse, sexuelle Lebensweisen zu erklären. Es darf aber die Frage gestellt werden, ob eine sehr beliebte Tatort Darstellerin nicht mehr erreichen könnte. Wo ist der Aufschrei, wenn Frau Folkerts (Lena Odenthal) die Rolle einer heterosexuellen Kommissarin spielt und dies auch noch durch männliche "Liebschaften" untermauert.

von: BerlinerBürger, 08.12.2010 23:31 Uhr

danke für den kommentar, der mir aus dem herzen spricht.
mensch, war das eine zumutung!

von: misty, 08.12.2010 20:06 Uhr

Ich fand den Tatort noch aus einem anderen Gesichtspunkt befremdlich. Man muss dazu den Tatort mit umgekehrten Geschlechtern erzählen:

Am Abend des Todes des gemeinsamen Kindes verlässt Bernd seine Gattin Nadja und zieht zur schon lange bevorzugten Geliebte Ines - Kind und Hindernis sind nun ja weg. Die Scheidung ist schnell beschlossen, Bernd bietet Nadja aber großzügigerweise an, anstatt in die Armut geschieden zu werden, in seinem Betrieb die Arbeit weiter erledigen zu dürfen, wie sie es ja bereits die letzten Jahre für ihn tat. Aber nachdem Ines dann von seiner Mutter ermordet wurde, darf seine Gattin doch wieder zu ihm zurück. Ende

Eine solcher reaktionärer Schmuddelkitsch würde heute wohl kaum zur Hauptsendezeit ausgestrahlt werden. Aber da man ja Lesben einstreut hat, glaubte man wohl, damit durchzukommen. Vielleicht hielt der Autor sich aber wirklich für ach so progressiv - Lesben auf dem Dorf, wie exotisch, da müssen wir unbedingt was daraus machen - was die Sache wohl eher schlimmer macht.

von: Tribble, 08.12.2010 16:36 Uhr

Hallo,
danke für die Kritik zu diesem wirklich unsäglichen Tatort. Bin froh zu hören, dass es auch anderen so damit erging. Hab trotz allem den Tatort zuende geschaut, auch wenn mir ab einem gewissen Punkt klar war, wer und was hier verteufelt wird.
Dieses "Umpolen" wird bei Reaktionären und Homophoben ja gar zu gern propagiert und auch angedroht. Wie perfide, es einfach als "natürliche" Wahrheit zu präsentieren.
Und dass Lesbischsein Familienwerte und deren ökonomische Grundlage zerstört - zu dieser Darstellung fallen mir nur Adjektive und Vergleiche ein, mit denen man nicht leichtfertig umgehen sollte.

Viele Grüße
Claudia Lindner

von: Claudia Lindner, 07.12.2010 15:57 Uhr

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