Siegessäule - „Wir sind die Nacht“: tough aber verklemmt

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Film

„Wir sind die Nacht“: tough aber verklemmt


Alle Ingredenzien eines lesbischen Vampirfilms gut umgesetzt – bis auf ein kleines entscheidendes Detail

© Constantin

l-mag.de 9.11.2011 –„Der erste deutsche Spielfilm mit einer lesbischen Hauptfigur seit ,Mädchen in Uniform’ und ,Aimee und Jaguar’“ schrieb eine Zeitschrift vollmundig. Schön wär’s. Sicher, die mehrere hundert Jahre alte Louise (Nina Hoss) ist die lesbische Anführerin einer Vampir-Gang, bestehend aus ihrer Alt-Geliebten Charlotte (Jennifer Ulrich), ihrer Mittel-neu-Geliebten Nora (Louise Fischer) und ihrer allerneuesten Eroberung, der verwahrlosten Kleinkriminellen Lena (Karoline Herfurth). Auch das Motto der Vampirinnen: „Wir fressen, saufen, koksen und vögeln, so viel wir wollen, und werden weder fett, schwanger noch süchtig“ klingt verheißungsvoll und lässt auf böse, sexy und „echte“ Vampire hoffen, anders als die Kuschel-Untoten in „Twilight“. Doch leider hält der Film dies nicht ein.

Das klassische Lesben-Vampirfilm-Genre bedienend und damit basierend auf Sheridan Le Fanus Erzählung „Carmilla“ von 1872 ist „Wir sind die Nacht“ ein gut gemachter Vampirfilm, ein toller Berlin-Film, aber eine durch und durch prüde und verklemmte Angelegenheit. Zwar stehen dankenswerterweise starke, ungewöhnliche Frauen im Mittelpunkt, die die männlichen Vampire schlicht ausgerottet haben und nun mordend und feiernd durch das Berliner Nachtleben ziehen. Aber was Sex und Erotik angeht – etwas wofür Vampire eigentlich stehen – bleibt der Film komplett auf der Strecke. Außer einigen Küssen und begehrlichen Blicken traute man sich offenbar nicht, echtes Begehren zwischen den Frauen zu inszenieren. Überflüssigerweise wendet sich am Schluss die junge Nora dann auch noch dem jämmerlichen männlichen Helden zu – fast verständlich, denn bei diesen verklemmten Vampir-Genossinnen kann es sexuell für sie ja nur bergauf gehen.

Manuela Kay

Regie: Dennis Gansel, mit: Nina Hoss, Karoline Herfurth, Jennifer Ulrich, Anna Fischer etc., D 2010, 90 Min., hier in den Berlin Kinos

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