Siegessäule - „Women Without Men”: Trotzende Heldinnen

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Film

„Women Without Men”: Trotzende Heldinnen


Iran 1953 – vier Frauen auf einem unerträglichen Weg in die Freiheit außerhalb der brutalen teheranischen Realität, im Kino ab 17.6

SIS 14.6.2010 - Für ihren ersten Spielfilm Women Without Men erhielt die renommierte iranische Videokünstlerin Shirin Neshat beim Filmfestival von Venedig 2009 den Silbernen Löwen für beste Regie. Verständlich, denn der Streifen hat prächtige Bilder, die Kameraführung ist beeindruckend. Die Story basiert auf dem gleichnamigen Roman der gefeierten Schriftstellerin Shahrnush Parsipur, der vier Frauen in Teheran porträtiert: die kunstliebende Fakhri, die junge Prostituierte Zarin, die rebellische politische Aktivistin Munis (Shabnam Tolouei) und ihre beste Freundin Faezeh.

Das alles im Sommer 1953, einem bis heute verhängnisvollen Moment in der iranischen Geschichte, wo die USA und Großbritannien den ersten demokratisch gewählten Premierminister Mossadegh per Staatsstreich stürzen und Schah Reza Pahlevi wieder installieren ließen. Neshat widmet ihr Werk „all jenen, die ihr Leben im Kampf für Freiheit und Demokratie im Iran verloren haben – von der konstitutionellen Revolution bis zur Grünen Bewegung von 2009“.

Ihre Filmheldinnen sind mehr oder weniger starke, solidarische, unabhängige Frauen, bis auf die Kommunistin Munis flüchten sie in einen verwunschenen Garten vor den Toren der Hauptstadt. Dabei wird nicht nur die Bedeutung des Gartens in der persischen Kultur betont, er ist auch eine geistige Oase, ein utopischer Ort der Zuflucht vor den patriarchalischen Zwängen. Angesichts der Situation im Iran hat die Regisseurin diese poetisch-metaphorische Sprache bewusst gewählt als „eine Möglichkeit, all das auszudrücken, was in der Realität verboten ist“.

Aber manchmal ist weniger mehr, der Film ist symbolisch überladen und wird spätestens nach einem Drittel von der opulenten Wald- und Blütenpracht langsam erdrückt. Und die Frauen? Zu viel weibliches Leid – vor allem die arme Faezeh muss so viel bluten und liegenderweise vor sich hin vegetieren – im Bordellbett, im Wasser und im Wald. Bei den Figuren nimmt die überbordende Metaphorik bald unerträgliche Konturen an und wird religiös-märtyrerinnenhaft aufgeladen, leider! Hier hat Shirin Neshat sich zu stark am surrealistischen Stil der literarischen Vorlage orientiert, aber manchmal verlangen politische Fakten eine einfachere und direkte Sprache.   

aw/Frank Noack

"Women Without Men", Regie: Shirin Neshat, D/AUS/FR 2009, 95 Minuten hier zu den Berliner Kinoterminen


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