Film
Woody Allen zurück in New York – „Whatever Works˝
Kultregisseur Woody Allen bringt in seinem neuen Film auch ein schwules Happy End auf die Leinwand, aktuell im Kino
SIS im Dezember 2009 – Nach fünf Jahren cineastischer Beschäftigung mit Europa („Vicky Cristina Barcelona“, „Match Point“ etc.) ist Woody Allen mit „Whatever Works – Liebe sich wer kann“ nach Manhattan zurückgekehrt. Der Film ist eine weitere Hommage an New York als State of Mind und an seine Bewohnerinnen und Bewohner. Es ist eine altmodische, aber sanft schimmernde Kammerspielkomödie um Jugend und Alter, Bigotterie und sexuelle wie sonstige persönliche Entfaltung mit der Botschaft: „Wenn jeder rausfindet, was ihm gut tut, geht’s allen besser.“ Whatever works eben.
Der amerikanische Kabarettist Larry David spielt Allens hypochondrisches Alter Ego namens Boris Yellnikoff, der eigenbrötlerisch sich und dem Publikum die Welt erklärt, wenn er nicht gerade Kinder im Schachspielen unterweist. Nach einem Fast-Gewinn des Nobelpreises, einer gescheiterten Ehe und einem Suizidversuch trifft er die viel jüngere Melody, und unversehens sind die beiden auch schon verheiratet. Die Kombination ihrer Naivität mit seinem professoralen Intellekt und Sarkasmus allerdings strapazierten arg das Pygmalion-Klischee. Aber am Ende entscheidet sich Melody – naturgemäß – doch für einen deutlich knackigeren Jüngeren mit sicher nicht ganz so viel Intellekt – was ein viel schöneres Ergebnis ist als in „My Fair Lady“. Boris jedenfalls nimmt die Trennung gewohnt stoisch hin und kommentiert auch sein persönliches Lolita-Erlebnis mit Melody in Richtung Zuschauerraum als Fußnote seiner Biografie.
Um die Geschichte der beiden herum ermuntern verschiedene Nebenhandlungen dazu, eigene Visionen auszuleben, weil das den Menschen gut tut. Melodys Papa erlebt nach der Trennung von seiner spröden Gattin Marietta gar ein spätes Coming-out, das gut auszugehen scheint. Die Mutter selbst, eigentlich angereist, um das naive Töchterlein aus den Fängen des Molochs New York zu retten, bleibt gleich da und macht eine überraschende Wandlung durch, denn auch sie entdeckt, was in ihr steckt. Wie sie vom verklemmten Desperate Housewife zur erfolgreichen Fotokünstlerin mutiert und nebenbei Yellnikoffs Kumpels erobert, ist sehenswert. Patricia Clarkson überrascht als Marietta einmal mehr mit einer so kraftvollen wie komischen Performance und steuert somit den vitalsten Charakter des ganzen Films bei.
Zum Finale, das der Harmoniesucht geschuldet ist und deshalb ziemlich wirkt, treffen sich alle handelnden Personen zum Silvester-Umtrunk. Woody Allen hat das alles geschmeidig und locker inszeniert, Einiges an Komik zu bieten, aber stellenweise wirkt der Streifen doch wie aus der Zeit gefallen, etwa bei aktuellen Anspielungen auf Barack Obama. Ein 30 Jahre altes Drehbuch wird halt vom Liegen nicht besser wie beispielsweise ein Wein. (Frank Hermann)
„Whatever Works“, Kinotermine in Berlin
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