Siegessäule - Bockfieber und Schwule im Schützenverein

queere welt

Bockfieber und Schwule im Schützenverein


Muss der politisch korrekte Homo für „Schwule im Schützenverein“ auf die Straße gehen? – fragt sich Christian Mentz im Kommentar

Dürkheimer Wurstmarktschießen anno 1977: Der Mann erlegt die Wurst, die Frau schaut staunend zu

siegessaeule.de 13.3.2012 – Peng Peng, Schießgewehr! Wir Schwulen sind einfach universell einsetzbar, unterdessen findet man uns überall, und ja, wer hätte das gedacht: offensichtlich auch im Schützenverein. Die dortige Community ist gut organisiert, was uns der LSVD, ist den Jüngern von „Kimme und Korn“ der katholisch geprägte „Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften“. Hier gibt es sie noch, die guten alten deutschen Werte. „Für Glaube, Sitte, Heimat“ – nach diesem Motto wird dort um sich geballert, dass es eine reine Freude ist.
Ich Tarzan, du Jane: Im Schützenverein ist der Mann noch ein Mann, hier kann er seinem Jagdtrieb nachgehen, ein Tontäubchen erlegen und sich für einen Moment fühlen wie der König des Dschungels.

Wer wie ich eine Landjugend genossen hat, weiß, dass es kaum einen schlimmeren Hort grenzdebiler Volkstümelei gibt als Schützenvereine. Das war wie Burschenschaften ohne Latein, aber mit noch mehr Bier. Schützenverein, das ging gar nicht. Was da ging, war, bei fortgeschrittenem Alkoholpegel mal kollektiv den rechten Arm durchzustrecken – wahrscheinlich nur Gymnastik für den nächsten Blattschuss. 

Wo endet eigentlich Solidarität? 

Nun wurde also einem schwulen Münsteraner Meisterschützen, der im Namen von „Glaube, Sitte, Heimat" die wilde Pirsch gewonnen hatte, verboten, seinen Gatten im Rahmen der royalen Ehrung zu präsentieren. Kruzifix! Der schwullesbische Empörungstross kommt routiniert auf Touren, die üblichen Politikernasen twittern stündlich neue Proteste, und mir wird langsam schlecht: Holt mich der Schützenverein doch noch ein? Muss ich mir fortan solidarisch den Strauß an die Hutkrempe klemmen und den Röhrenden Hirschen über’s Sofa hängen? Ist das die Ironie des Schicksals?

Hat die manchmal als verflacht empfundene  Schwulenbewegung nun ihre neue Marschmusik gefunden?: Welcher Schwachsinn auch immer, Hauptsache wir sind dabei! Sorry, da mach ich nicht mit. Ich will nicht alles kritiklos bejubeln müssen, nach dem einzigen Kriterium, ob ich mitspielen darf oder nicht.

„Bockfieber“ übrigens bezeichnet im Jägerlatein den „gelegentlich auftretenden, aufgeregten Gemütszustand eines Jägers kurz vor dem Schuss“ – in diesem Sinne Waidmanns Heil, Ihr Männerbünde!
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