Siegessäule - Deutscher Ethikrat empfiehlt das dritte Geschlecht

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Deutscher Ethikrat empfiehlt das dritte Geschlecht


2009 hatte die UN gemahnt, Deutschland müsse seiner Verpflichtung zum Schutz der Menschenrechte Intersexueller nachkommen

siegessaeule.de 24.2.2012 – Gestern überreichte der Deutsche Ethikrat bei seiner Pressekonferenz der Regierung nach 18 monatiger Arbeit die im Dialog mit intersexuellen Menschen und ihren Selbsthilfeorganisationen entstandene Stellungnahme zu Intersexualität.

In Auftrag gegeben wurde die Stellungnahme vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Bundesministerium für Gesundheit. Dem vorausgegangen war eine Anmahnung des UN-Ausschusses zur Überwachung der internationalen Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW).
Die schwarz-gelbe Regierung hatte es bisher versäumt, sich in ihrem Staatenbericht von 2007 gegenüber der UN zu Menschenrechtsverletzungen an intersexuellen Menschen zu äußern.
Erst nach der Einreichung eines sogenannten Schattenberichtes des Vereins Intersexuelle Menschen und seiner Selbsthilfegruppe XY-Frauen kam Bewegung in den Vorgang: 2009 forderte der Kontrollausschuss die Bundesregierung auf, Maßnahmen zum Schutz der Menschenrechte und gesellschaftlichen Integration von Intersexuellen zu ergreifen.

Der 200-seitige Empfehlungskatalog soll Grundlagen liefern

Der Deutsche Ethikrat hat nun einen 200-seitigen Empfehlungskatalog veröffentlicht, der Informationen und Grundlagen liefern soll, wie die  Umsetzung der Konventionsziele erfolgen kann. Dies ist auch für die Politik keine leichte Aufgabe, da die Kategorisierung Mann/Frau in vielen Bereichen der Gesellschaft die Basis bildet. Der Deutsche Ethikrat empfiehlt nun unter anderem, das Personenstandsrecht, nach dem alle Menschen den Kategorien „weiblich“ und „männlich“ zugeschrieben sein müssen, um eine dritte Geschlechtskategorie - „anderes“ - zu erweitern. Dies soll auch Eltern von der Pflicht entlasten, ihr intersexuelles Kind nach der Geburt bei der Beurkundung einem der beiden vorgeschriebenen Geschlechtern zuzuordnen. Dies könnte womöglich eine spätere, „geschlechtszuweisenden“ Operation mit unvorhersehbaren physischen und psychischen Folgen vermeiden. So würde es dem Kind ermöglicht werden, sich später im Leben selbstbestimmt zu verorten.
sk

Die komplette Stellungnahme des Deutschen Ethikrates hier

Webseite vom Verein Intersexuelle Menschen