Siegessäule - Moskau: feministische Combo „Pussy Riots” gegen Putin

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Moskau: feministische Combo „Pussy Riots” gegen Putin


Sie stürmen die Erlöserkathedrale, schmettern Punksongs und beten für Russlands Erlösung von Putin. Hier die Videos!

siegessaeule.de 28.2.2012 – Der Protest gegen Wladimir Putin nimmt immer neue Formen an, gewinnt mehr Anhängerinnen und Anhänger. Besonders populär ist in Moskau gerade die Frauen-Punkband „Pussy Riots“. Die Combo wurde nicht mit Konzerten bekannt, sondern durch ihre überfallartigen Kurzauftritte an stark frequentierten Orten der Moskauer Öffentlichkeit. Diese Nadelstichtaktik ergänzt die Massenproteste, die seit Wochen gegen eine Wiederwahl Putins bei der Präsidentschaftswahl am 4. März stattfinden.

Die letzte Aktion der Pussy Riots war die Erstürmung der Moskauer Erlöserkathedrale, wo sie Anti-Putin-Punksongs spielten und für Russlands Erlösung von Putin beteten. Via youtube verbreitete sich das Video der Aktion und erreichte unterdessen über 385.000 UserInnen.

Die Pussy Riots treten mit Masken vermummt und in bunter Kleidung auf, ihre Identität geben sie auch der Presse gegenüber nicht preis. Auf ihrer Facebook-Seite schreiben sie: „Wir wollen eine neue Protestform kreieren, vielleicht wird das keine sehr große, aber das machen wir durch Provokation und Illegalität wett.“ Es gehe auch darum, die Protestkultur als politische Form überhaupt erst einmal zu entwickeln: „Wir haben eine Form des Protests geschaffen, aber wir brauchen viele verschiedene.“

Ihre Songs enthalten Texte wie: „Ägyptische Luft ist gut für die Lungen / Macht Tahrir auf dem Roten Platz!” Die ägyptische Revolution wird beispielhaft herangezogen und steht für den Wunsch, die Dominanz der Putin-Partei „Einiges Russland” zu brechen.

Als der russische Oppositionelle Alexey Navalny im Dezember 2011 eine 15-tägige Haftstrafe wegen „Widerstandes gegen die Staatsgewalt“ absitzen musste, kletterten die Pussy Riots auf das Dach des Gefängnisses, in dem er einsaß, und sangen dort: „Tod dem Gefängnis / Freiheit für Protest!“

Eindeutig sind die feministischen Elemente des Protestes. „Es gibt in Russland eine lange Tradition von Gender und Revolution – wir hatten großartige Frauenrevolutionen!” Der feministische Aspekt ist ein zentraler Teil der Aktionen gegen das System Putin. Im November gelang den Frauen unerkannt Zutritt zu einer Moskauer Modenschau. Sie stürmten auf den Laufsteg, entzündeten Rauchbomben und schrien: „Nieder mit den Sexisten, den verfickten Putinisten!”
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