Siegessäule - Wowereit übergibt Bundesverdienstkreuz an Wieland Speck

queere welt

Wowereit übergibt Bundesverdienstkreuz an Wieland Speck


Gestern erhielt Wieland Speck das Bundesverdienstkreuz. Geehrt werden damit seine Verdienste um die queere Filmkultur.

Klaus Wowereit und Wieland Speck

Siegessaeule.de 26.1.2012 – Gegen 13 Uhr kommt ein gut gelaunter Wieland Speck ins Foyer des Roten Rathauses geschlendert, begrüßt freundlich die anwesenden Journalisten, Freunde und die schwule Prominenz. Rosa von Praunheim ist da, er dreht mit seinem Team gleich einen Film. Passt gut, dreht sich hier doch heute alles um Film, den schwullesbischen insbesondere, noch genauer: Die Verdienste, die Wieland Speck sich dabei erworben hat, dieses Genre zu fördern und weiterzubringen. In den 70er Jahren begann er als Student der Theaterwissenschaft in Berlin in die Filmwelt einzutauchen – die vielen verschiedenen Funktionen reichen von Darsteller über Drehbuchautor, Regisseur bis zum Produzenten und decken also fast alles ab, was mit Film zu tun hat.

Herr Wowereit braucht wohl noch ein paar Minuten, und so wird vor dem Büro des Bürgermeisters noch die Zeit weggeplaudert. Womit? Natürlich mit Filmen, Herr Speck hat als Programmleiter der Berlinale-Sektion Panorama genug zu erzählen: wie weit die Programmhefte sind, und wie sieht es eigentlich mit der Finanzierung für diesen und jenen Film aus? Ein Leben für den Film.
So sagt es dann auch Klaus Wowereit, als es losgeht: Der alte Fritz, so der Bürgermeister, habe ja etwas gesagt, was auch noch heute gelten solle, und daher müsse eben jeder und jede nach seiner und ihrer Facon glücklich werden dürfen. Dass das auch für Schwule und Lesben gilt, dafür habe Wieland Speck mit seinem Filmschaffen viel getan. So sei es keinesfalls selbstverständlich, dass etwa bei der Berlinale heute schwule und lesbische Filme in allen Sektionen gezeigt werden. Das sei ebenso Wieland Specks Initiative, wie er auch vielen Größen des internationalen Films in Berlin Anschubhilfe gegeben habe: Almodovar war eben auch nicht gleich ganz oben, sondern startete seine Karriere in Berlin, auch mit Hilfe von Wieland Speck.

Kurz und knackig ist die Rede, und man merkt, dass die beiden sich schon lange kennen und scheinbar auch mögen. Herr Speck übernimmt, und er sagt: „Vielen Dank, Regierender Bürgermeister“. Das „Herr“ fehlt, sehr angenehm, sehr lustig. Auch er redet nur kurz, aber ernst: Die Ehrung sei weniger als nur für ihn als Einzelperson zu verstehen. Es stimme zwar, dass er seit Pubertätszeiten von einem Ungerechtigkeitsgefühl getrieben sei. Und es entzünde sich an der Nichtakzeptanz von Homosexuellen in der Gesellschaft. Aber das Erreichte sei eben nicht sein Alleinverdienst, sondern immer mit unzähligen Netzwerken und Initiativen entstanden. Und: „Wir müssen auch an die Situation von Schwulen und Lesben in anderen Ländern denken. Und vielleicht befinden wir uns heute und hierzulande auch nur temporär in einer relativ privilegierten Situation. Das Erreichte muss immer wieder neu errungen werden“.

Das war’s auch schon. Man denkt ja, so eine Übergabezeremonie dauere ewig, aber die Journalisten werden jetzt recht schnell vom Pressechef des Rathauses herauskomplimentiert. Was völlig ok ist, gefeiert werden will die Ehrung eben im kleineren Kreis. Gelohnt hat es sich trotzdem: Gerade Wieland Specks Sätze bleiben einem zumindest diesen Tag im Kopf.
Christian Mentz