Siegessäule - Zwei Mitglieder der Moskauer „Pussy Riot” festgenommen

queere welt

Zwei Mitglieder der Moskauer „Pussy Riot” festgenommen


Die queer-oppositionellen Punkerinnen sorgten mit Putinkritik für Aufsehen. Putin bewertet die Band „negativ”

Traten stets maskiert auf: die Band Pussy Riot

siegessaeule.de 8.3.2012 – Wie die russische Nachrichtenagentur Interfax meldet, sind zwei Mitglieder der oppositionellen Frauenpunkband „Pussy Riot“ festgenommen worden, nachdem sie am 21. Februar ein „Punkgebet“ gegen Wladimir Putin in der Moskauer Erlöserkathedrale zelebriert hatten (siegessaeule.de berichtete).

Der in Russland populäre Blogger und Jurist Alexey Navalny nennt die Aktion der Pussy Riot in der Kirche zwar „idiotisch“, da sich andere Kirchenbesucher beleidigt gefühlt hätten, aber: „Ist das Delikt eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit? Offensichtlich nicht. Bestehen Umstände, die eine weitere Haft ausschließen? Offensichtlich ja“.

Tolokonnikava und Alyokhina, so die Vornamen der beiden Frauen, sind Mütter kleiner Kinder. Beiden drohen nun mehrjährige Gefängnisstrafen: Es wurde ein Gerichtsverfahren wegen Ruhestörung gegen sie eröffnet. Momentan befinden sich Tolokonnikava und Alyokhina in einer auf 60 Tage angesetzten Untersuchungshaft – dann erst soll das Gerichtsverfahren abgeschlossen sein. Navalny fordert, die Untersuchungshaft sofort zu beenden. „Oder besteht etwa die Gefahr, dass sie Zeugen unter Druck setzen könnten? Oder in einem Privatjet fliehen?“ Der Blogger verspottet damit die russische Justiz, die in dem Ruf steht, korrupt zu sein. Die beiden Frauen hingegen „hätten noch nicht einmal das Geld, um irgendwohin zu fliehen“.

Die russisch-orthodoxe Kirche könnte nun „Barmherzigkeit zeigen“

Die beiden Bandmitglieder sind unterdessen in den Hungerstreik getreten. „Sinnlos und grausam“ nennt Navolny die Haft. Die russisch-orthodoxe Kirche solle nun „Barmherzigkeit zeigen und um die sofortige Freilassung der beiden Mütter bitten, damit diese zu ihren Kindern zurückkehren können“.

Die Pussy Riot hatten mit ihrem Überraschungskonzert am 21. Februar in der Erlöserkirche gegen die drohende Wahl Putins zum Premierminister Russland protestiert. Verhindern konnten sie seine Wiederwahl am 3.März nicht, aber sie sind Teil einer breiten gesellschaftlichen Bewegung gegen Putin, die ihm unter anderem Wahlbetrug vorwirft. Putin ist auch Vorsitzender der Partei „Einiges Russland”, auf deren Initiative ein neues Gesetz zur Verhinderung von „homosexueller Propaganda” zurückgeht (siegessaeule.de berichtete). Not amused ist Partei- und Regierungschef Putin auch über die Pussy Riot: „Negativ“ sei seine Reaktion auf die Band gewesen, teilte sein Pressesprecher laut Interfax mit.
Christian Mentz