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Ein infames Spiel


Theo Zwanziger wurde kein Opfer der Schiri-Affäre. Zum Glück! – Ein Kommentar von Gudrun Fertig

© Anna Meurer / L-MAG Archiv

SIS 15.3. –  Er bleibt. Und das ist auch gut so. Beinahe hätte ihn die Schiri-Affäre rund um den ehemaligen Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell aus dem Amt getrieben. Oder die Medien, die einhellig und gnadenlos daran arbeiteten. Oder auch die Drahtzieher dahinter, für die Theo Zwanziger und seine Verbündeten schon lange viel zu viel Reformwillen im früher fest verschanzten Lager konservativer DFB-Funktionäre zeigten.

Jetzt hat der Präsident des Deutschen Fußballbundes auf einer Pressekonferenz am Freitag weniger Machtfülle für Einzelne – insbesondere bei den Schiedsrichtern – und weniger Öffentlichkeit gelobt. Ob er damit die Zahl seiner eigenen öffentlichen Auftritte oder weniger Transparenz über das Geschehens im DFB meinte, blieb offen. Letzeres wäre fatal für einen Präsidenten, der mit einem außerordentlichen zivilgesellschaftlichen Engagement und medialer Offenheit sein Amt ausübte. Wer hätte sich vor der Ära Zwanziger vorstellen können, dass in den verstaubten Hallen des Männerbundes Deutscher Fußballbund über Rassismus und Homophobie gesprochen werden könnte. Dass der Frauenfußball deutlich aufgewertet würde. Dass in der Frankfurter DFB-Zentrale neben den Devotionalien aus legendären Spielen der Männernationalelf großformatige Plakate zur Frauenfußball-WM hängen würden. Theo Zwanziger meinte es ernst mit der Umstrukturierung des Verbandes und der neuen Satzung, die Diskriminierung jeglicher Art verbietet.

Erstaunlich, dass diese Tatsachen in der aktuellen Schiri-Affäre rund um sexuellen Missbrauch, Verleumdung und Erpressung keine Rolle spielten. Kein Medienvertreter wusste etwas Genaues, aber alle waren sich einig, dass Theo Zwanziger versagt hätte. Mag sein, dass er sich naiv und vorschnell hinter die vermeintlich von Amerell sexuell belästigten Schiedsrichter stellte. Mag sein, dass er zur Schachfigur in einem infamen Spiel wurde. Fest steht aber: Sich erstmal hinter die vermeintlichen Opfer zu stellen, ist nichts ehrenrühriges.

Im DFB Zeitalter vor Zwanziger hätte man so lange wie möglich alles geleugnet, sexuellen Missbrauch nicht für möglich gehalten oder mit scheinheiliger Toleranz kein Interesse an den „privaten Dingen im Schlafzimmer“ bekundet. Wie die Denke von Männern des alten Schlages geht, zeigte der ehemalige Schalke-Manager Rudi Assauer in seinen Äußerungen gegenüber dem Express: Die ganze Affäre und dieses nervige Thema Homosexualität und Fußball hätten allen nur geschadet, so der Tenor. Was Missbrauch, Verleumdung und Lügen überhaupt mit Homosexualität oder Homophobie im Fußball zu tun haben, konnte er nicht erklären. Ist eben so ein Gefühl. Geboren aus einer Mischung an verklemmter Männerbündelei, Machotum und einer Unwilligkeit, dazuzulernen.

Wir wollen unseren Theo behalten.

Gudrun Fertig

Hier zum Interview mit Theo Zwanziger in L-MAG 1/08, in dem er erstmals öffentlich über Schwule und Lesben im Fußball sprach

Was der Berliner Fußballverband zum Thema Homophobie plant, wird in der April-Siegessäule im Interview mit EGLSF Aktivistin Tanja Walther Ahrens zu lesen sein!

 

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Kommentare


Würde sagen: Zwanziger hat viele Fehler in dieser Affäre gemacht, die meisten deshalb, weil auch er noch zu sehr im alten Denken verhaftet ist. Bei allem, was man jetzt schon überblicken kann, muß man wohl sagen: Hier sind Schicksale unnötig in Bedrängnis gebracht worden, alte Verklemmtheit und Angst hin oder her. Festzuhalten bleibt nur: Einen Besseren als Zwanziger werden "Wir" (also Homos, Frauen und Andersfarbige) wohl nicht bekommen, siehe Assauer...

von: Samoth, 16.03.2010 11:20 Uhr

Würde sagen: 1 : 0 für Zwanziger. Wäre auch zu schade, wenn der weg vom Fenster wäre! Gut kommentiert, vor allem die Stelle „keiner weiß was" und trotzdem schreiben alle wie wild drauf los … Mit Homos machen die Heten Kassen!

von: Andreas, 15.03.2010 16:32 Uhr

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