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EuroPride in Warschau, 9.–18. Juli. Fahrt hin!
„Wir laden alle Berlinerinnen und Berliner ein”, sagt Tomasz Baczkowski ist Mitorganisator des EuroPride
Gay Pride in Warschau
Tomasz Baczkowski ist Mitorganisator des Europride (jedes Jahr wird eine Stadt in Europa ausgesucht, die diesen organisiert) in Warschau. Er lebt in Warschau und Berlin, hier im Interview:
Vom 9.–18. Juli findet der erste Europride in Osteuropa statt.
Was heißt das für Polen?
Tomasz: Das hat eine symbolische Bedeutung. Wir wollen zeigen, dass alles möglich ist, dass alles machbar ist. Das Signal geht auch an unsere Nachbarn Litauen, Russland, wo es viel schwieriger ist, den CSD zu feiern, als in Polen.
Wie viele Gäste erwartet ihr?
Es wird nicht die Ausmaße annehmen wie die letzten Jahre in Madrid, London oder Zürich. Allgemein sagt man, dass beim Europride zehnmal mehr Leute kommen als sonst. Wir waren zuletzt fünf- bis zehntausend Menschen. Aber egal, wie viele letztlich dabei sind, für Warschau wird das ein Schock werden. 2004 und 2005 hatte der Bürgermeister und spätere Präsident Lech Kaczynski den Warschauer CSD verboten ... Und 2003 noch zugelassen. Ein Jahr später hatte er wohl schon Absichten, Staatspräsident zu werden und offenbar darauf spekuliert, dass sich ein Verbot politisch auszahlen würde.
Beim Flugzeugabsturz im April verunglückten mit Kaczynski viele Politiker
und Politikerinnen. Wie hat die Community darauf reagiert?
Die polnische Nation ist eine unglaublich emotionale. Mich hat das sehr an den Tod des Papstes vor fünf Jahren erinnert. In Warschau hat zwei Wochen lang nichts funktioniert. Auch Lesben und Schwule waren mitgenommen. Plötzlich wurde er zu einem guten Präsidenten. Dabei hat er Lesben und Schwule für politische Zwecke instrumentalisiert. Ich weiß nicht, ob er persönlich etwas gegen uns hatte, doch uns war er ein schlechter Präsident.
Stimmt es, dass beim Absturz auch eine Politikerin verunglückt ist, die
für die Homo-Ehe gekämpft hat?
Ja, das war Izabela Jaruga-Nowacka, die einzige Politikerin, die sich seit über zehn Jahren mit unseren Themen beschäftigt hatte.
Wie sieht es mit der rechtlichen Gleichstellung aus?
Polen war eines der ersten Länder, das den Homosexuellenparagrafen abgeschafft hat, das war 1926. Juristisch gesehen steht Polen sehr gut dar. Wir haben sogar eine Regierungsbeauftragte für Gleichstellung.
Und wie gayfriendly ist die Stimmung im Lande?
Von Jahr zu Jahr wird es besser, viele Leute sind aufgeschlossener und offener, das ist eine langsame, aber sehr gute Entwicklung.
Erhält der EuroPride denn Unterstützung von der Stadt Warschau?
Nein! Der Politik ist das Thema noch zu kontrovers, gerade jetzt im Wahljahr. Auch die Wirtschaft hat uns noch nicht als Zielgruppe entdeckt. Wir haben keine Sponsoren für den CSD. Das Einzige ist eine musterhafte Zusammenarbeit,
was die Sicherheit angeht. Ich sage immer: Der CSD Warschau ist der bestbeschützte auf der Welt.
Warum?
Ich vermute, dass es den Verantwortlichen peinlich wäre, wenn beim EuroPride etwas schiefgehen würde.
Welche Highlights wird es geben?
Im Juni startet die Ausstellung „Ars Homo Erotica“, schon jetzt ein Skandal: Erstmals in Polens Geschichte wird im Nationalmuseum schwul-lesbische
Kunst gezeigt. Außerdem haben wir ein Filmfestival und ein Pride House. Wir laden alle Berlinerinnen und Berliner ein! Und da wir diesmal europäisch sind, gehen unsere CSD-Preise an zwei Berliner Organisationen. An den Warschauer Pakt und an den Regenbogenfonds, da sie uns jahrelang selbstlos unterstützt haben.
Interview: Sirko Salka
EuroPride Warschau, vom 9.–18. Juli 2010,
Parade am 17. Juli, Infos zur Anreise, Übernachtungen
sowie alle Termine auf europride.eu
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