Experten zu HIV und Aids
Teil 4: „30 Jahre Therapie realistisch“
Christoph Weber, Stationsarzt im Auguste-Viktoria-Krankenhaus (AVK), über die Fortschritte der Medizin
SIS im Januar 2010 – Aids kann heutzutage vermieden werden, sagt das Robert-Koch-Institut. In der medizinischen Praxis ist die Immunschwächekrankheit jedoch nach wie vor ein Thema. Christoph Weber, Stationsarzt im Auguste-Viktoria-Krankenhaus (AVK), im Interview
SIS: Christoph Weber, auf Ihrer Station behandeln Sie auch Patienten, die Aids haben. Warum erkranken heute noch Menschen daran und wie sehen die Therapiemöglichkeiten aus?
Christoph Weber: Wir behandeln im AVK Patienten mit opportunistischen Infektionen. Das sind Menschen, die entweder erst spät zum Arzt gegangen sind oder die im Rahmen der Infektion Probleme mit der Therapie bekommen haben. Jede schwere opportunistische Infektion ist Aids definierend. Zu den opportunistischen Krankheiten zählen Tuberkulose, Kaposi Syndrom, PCP oder die PML, eine Erkrankung des zentralen Nervensystems.
Wir registrieren vermehrt Fälle von Tuberkulose. Bis auf Ausnahmen sind sie auch in dem Stadium der HIV Infektion noch therapierbar, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass es gut verläuft. Wir haben auch Patienten mit einer PCP, diese Erkrankungen können tödlich verlaufen, wenn der Patient zu spät gekommen ist.
SIS: Wie viele Jahre können zwischen dem Zeitpunkt der HIV-Infektion und dem Auftreten von Aids liegen?
Ohne Therapie dauert es nach der Infektion bis zum Auftreten einer Aids-definierenden Krankheit im Schnitt acht bis zehn Jahre.
SIS: Und wie lange kann HIV nach heutigem Wissensstand bereits therapiert werden?
Es gibt ernst zunehmende mathematische Hochrechnungen, die besagen, dass 30 Jahre Therapie eigentlich realistisch sind. Nicht einberechnet sind die neuen Medikamente. Medizinisch sind wir einen Riesenschritt vorangekommen.
Interview: Sirko Salka
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