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Winterspecial 08/09: Sauna-Guide
Wohlfühlen, Entspannen, Loslassen ...
Hippes Berlin:Winterbadeschiff
Drei ungleich lange, leuchtende Röhren schwimmen auf der Spree, als seien sie gerade aus dem Weltraum gelandet. Im Osten rattert die S-Bahn über die Elsenbrücke, im Westen die U-Bahn über die Oberbaumbrücke. Das Winterbadeschiff ist eines der Beispiele dafür, warum Besucher weltweit diese Stadt für hip halten. Auch in queeren Saunakreisen hat sich das rumgesprochen. „Das Tolle ist, dass dann zwar haufenweise Homos saunieren, es aber mal nicht um Sex geht“, so Igor. PR-Fachfrau Birgit (34) kommt gerne an den Frauenvormittagen in die Badeschiffsauna, die für sie eine Art „Symbol des neuen Berlins“ ist.
Lesbenheimat: Bad am Spreewaldplatz
„Bei mir gehören die Sauna und das Schwimmbad quasi zum Haushalt“, sagt die Journalistin Lilly (37). „An Frauentagen trifft man die multikulturelle Kreuzberger Mischung.“ Und mit elf Euro Eintritt ist sie eine der günstigen städtischen Einrichtungen. „Keine Luxussauna“, so Lilly weiter, „aber gemütlich und relativ herzlich.“
Origineller Tanz: Thermen am Europacenter
Hier wedelt die kroatische Saunameisterin Mira Kovacev seit acht Jahren mit dem Handtuch eine beeindruckende Choreografie, die wie ein lautloser Tanz anmutet. „Alles gute Motorik“, sagt Mira, die vor Jahren die Frauenhandball- und fußballmannschaft von TeBe Berlin trainierte und selbst als Bundesligahandballerin aktiv war. „Ich bin nicht so groß wie die Männer und komme beim Aufguss nicht in alle Ecken. Außerdem ist es in der Sauna heiß und anstrengend. Damit ich weniger Kraft brauche, setze ich eine gute Technik und diese Bewegungen ein.“
Orientalische Badekultur: Kreuzberger Hamam
Die orientalische Badekultur auf 250 Quadratmetern lockt wöchentlich Hunderte Frauen. „Das Hamam ist ein Kommunikationszentrum“, sagt Geschäftsführerin Helga Rief. Vielleicht liegt es am Zauber des Bades, jedenfalls taucht die Besucherin beim Eintritt in eine andere Welt ein. Schon der Vorraum ist mit Stoffen verhängt, Töne in Orange, Gold, Rot. Der Hamamraum besteht aus einem gekachelten Feld in der Mitte, über dem eine Mosaikkuppel thront. In die Wände sind Sitznischen eingelassen; jede hat zwei Marmorbecken, aus denen die Besucherinnen Wasser in kleine Schalen schöpfen, das sie sich dann über den Körper gießen. Außerdem gibt’s eine klassische Sauna und das Dampfbad. Männer haben hier keinen Zutritt, können aber im Schöneberger Hamamzumindest einmal wöchentlich in den Genuss der orientalischen Wellness kommen.
Sex in der Sauna – schwule Traditon:
Als 1978 die Apollo-Sauna eröffnete, damals noch am Anhalter Bahnhof, war das ein Politikum. Plötzlich konnten Schwule der gesellschaftlichen Repression entfliehen, unter sich und frei sein. „Das wurde begeistert angenommen“, sagt Frank Paulat, Geschäftsführer der Sauna, die inzwischen Apollo Sauna Club Brasil heißt. Die alte Lady der Kurfürstenstraße, gegenüber vom Eingang zum Zoo, ist mit der Zeit gegangen: Auf dem Programm stehen Schaumpartys, Wellnesstage – und täglich Massagen der Profis vom Centro Delfino. Schwules Saunieren muss, um mit der Konkurrenz der unzähligen Sexpartys und des Internets mithalten zu können, umfangreicher und anspruchsvoller sein. Einfach mehr bieten als nur die schnelle Nummer in der Kabine oder Schattenspiele im Dampf.
In den Hochzeiten der Schwulenbewegung machte die Steam Sauna in der Kurfürstenstraße ihre Pforten auf (1983). An den Wochenenden ist besonders viel los. Hier gibt es Kunden, die ihre Kabinen regelrecht bewohnen, sich mit Dildos und anderen Spielzeugen häuslich einrichten und auf nette Gäste warten. Die Steam hat einen Riesendarkroom, eine Pornokinoleinwand und Kabinen mit Slings und Gynstühlen. Ein Schnäppchen ist das Nightspecial für acht Euro (Mindestverzehr), das montags bis freitags ab 22 Uhr gilt.
Mitte der 90er kamen im Ostteil der Stadt mit der Gate Sauna und der Treibhaus Saunazwei Jungspunde unter den Berliner Homosaunen hinzu. Während die Gate nur 300 Meter vom Regierungsviertel entfernt liegt, was die Chance erhöht, dass man beim Schwitzen schwule Politiker kennenlernt, haftet an der Treibhaus Sauna hartnäckig das Image, dass hier junge und internationale Typen abhängen. Das Flair ist kosmopolitisch, und man spricht tatsächlich viel Englisch. Diese in einem Prenzelberger Hinterhof gelegene Sauna ist strategisch gut durchdacht: Wie in jeder schwulen Sauna ist das erotische Herzstück nicht die Trocken-, sondern die Dampfsauna. Auf dem kurzen Weg, den jeder Gast zwischen Dampfsauna und Dusche zurücklegen muss, sind Bänke so angeordnet, dass die Besucher an guten Tagen wie die Vögel auf der Stange sitzen und die Einblicke auf den Männer-Catwalk genießen.
Einmal im Quartal: Lesbensauna
Autorin und Unternehmerin Laura Meritt (Sexclusivitäten) veranstaltet ihre Freudenfluss-Fuckerwareparty(wieder am 5.3.) im Grunewalder Wellnessclub you need, zu der auch Trans*-Menschen eingeladen sind, für die es sonst kaum adäquate Angebote gibt. Der Eintritt (35 Euro) pro Person bzw. pro Paar ist gut angelegt, da Laura all ihre Toys mitbringt und erklärt, wie die Dinger eigentlich zu handhaben sind. Studentin Maren (24) zeigte sich von einer der letzten Partys beeindruckt: „Sauna, Swimmingpool und so richtig tolle Puppen“, sagt sie, „die waren zärtlich, aufgeschlossen und unverkrampft lesbisch.“
Mondän und wohlfühlorientiert: Liquidrom
Hier sorgt ein mit stark salzhaltigem Warmwasser gefüllter Pool für schwebende und ziemlich zeitlose Momente. Unter Wasser hört man mal klassische Klänge oder trancige Töne, wenn DJs am Beckenrand auflegen. Da verzeiht man glatt, dass der Saunabereich eher mickrig ausfällt. Lesben und Schwule trifft man in diesem mit grauen Betonwänden nüchtern designten Badehaus häufiger an, wenngleich es keine Frauen- und Männertage gibt. Einziger Stressfaktor ist der an Zeiten gekoppelte und relativ gehobene Eintrittspreis.
Texte:
Redaktion
Mitarbeit: Tanja Witte, Udo Badelt
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