Berlin
Spenden für Michael Stocks neues Filmprojekt!
Bezahlbare HIV-Medikamente für afrikanische Länder, das ist das Nachfolgeprojekt von „Postcard to Daddy", Solimark bei Gayhane, 28.1.
siegessaeule.de 27.1. – Sein neues Filmprojekt wird Regisseur Michael Stock nach Ostafrika führen. Im Interview erzählt er von seinem neuen Vorhaben, das sich für Medikamentenzugang für HIV-Positive auf der ganzen Welt einsetzt.
Für „Postcard to Daddy“ (Foto oben, re. Michael Stock), den Film, in dem du den Missbrauch durch deinen Vater thematisiert hast, gab es 2010 auf der Berlinale den Siegessäule Readers Award ELSE. Was passierte danach? Wie fiel die Resonanz aus? Der Film ist auf 66 internationalen und etlichen nationalen Festivals gelaufen, hat 15 Preise erhalten. Für mich war das eine spannende, einjährige Weltreise. Ich bekam fast durchweg gute Presse, ein Wahnsinnsfeedback vom Publikum und Post aus aller Welt. Nach den letzten Vorführungen habe ich gemerkt, dass das Kapitel für mich endlich abgeschlossen ist, ein Zeichen meines Selbstheilungsprozesses. Der Erfolg hat mich selbstbewusster für neue Projekte gemacht.
Hast du dich gleich wieder in die Arbeit gestürzt? Nein, ich wurde sehr krank, hatte ein Zungenkarzinom, musste operiert werden. Dazu kam die Trennung von meinem Freund, ich fiel in ein Loch. Doch Krankheiten sind immer ein Zeichen, sich neu zu orientieren. Ich lernte meinen jetzigen Lebenspartner Carsten kennen, dem ich die Idee zu meinem neuen Film verdanke.
Inwiefern? Carsten ist Heilpraktiker und Krankenpfleger und gab mir den Tipp, mich weg von eigenen Problemen mal nach außen zu orientieren. Das ist die Urmotivation für das neue Projekt, das half mir, aus der Depression herauszufinden.
Der Arbeitstitel lautet „Share – Heilen durch Teilen“, die Reise führt dich und dein Team im Februar für ein halbes Jahr nach Ostafrika, worum dreht sich der Film? Uns geht es um ein gerechtes Umverteilen von Weltressourcen, in dem Fall von der Ressource Medikamente und Generika. Drei von vier Leuten meiner Crew sind selbst HIV-positiv. Der Film wird eine Art Roadmovie werden, erzählt aus der persönlichen Betroffenheit heraus. Mein Anliegen: Aufgrund des Privilegs der guten medizinischen Versorgung hierzulande konnte ich mit HIV bis heute überleben. Dieses Recht sollte jedem Menschen zustehen. Was sind die größten Hindernisse, warum haben Millionen Menschen keinen Zugang zu Leben rettenden Medikamenten? Das größte Problem liegt in der Armut – und damit einher geht die Frage nach der Regulierung von Patentrechten.
Hier muss dringend eine weltpolitische Lösung her. Es gibt einige Drittweltländer, die sich über die Patentrechte hinwegsetzen. Indien wird nicht zuletzt deshalb die Apotheke der Armen genannt, weil dort im großen Stile Generika hergestellt und zu erschwinglichen Preisen an andere Entwicklungsländer verkauft werden. Als positives Beispiel kann auch Botswana genannt werden. Die dortige Regierung stellt zusammen mit der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung und einem großen Pharmaunternehmen Medikamente kostenlos zur Verfügung. Das ist nicht in allen Ländern realisierbar. Hier setzt die Idee eines weltweiten Patentpools an, an den Pharmafirmen Patente freiwillig abgeben können, wofür sich nicht staatliche Organisationen wie z. B. Ärzte ohne Grenzen einsetzen.
Woran mangelt es in den Ländern, die ihr besuchen werdet? Es fehlt an Ausbildung von Fachpersonal und generell an Bildung. Daher werden wir im Film das Projekt Mother2Mother vorstellen, bei dem HIV-positive Mütter gecoacht werden, damit sie als Mentorinnen andere Mütter betreuen und helfen können, dass künftig Mutter-zu-Kind-Übertragungen vermieden werden. Angestrebte Länder der Reise sind Kenia, Tansania, Uganda und Sambia, wo wir den Hauptteil des Films drehen wollen. Wir wollen Projekte und Universitäten besuchen und mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch kommen.
Wie steht es um die Finanzierung des Films? Eine Koproduktion mit TV-Sendern kam leider nicht zustande, da die meisten ihre Etats schon verplant hatten. Also finanzieren wir das Projekt aus der eigenen Tasche und aus Erlösen von „Postcard to Daddy“. Glücklicherweise werden wir von Berliner Schwerpunktpraxen und Apothekern unterstützt, sind aber auf Sponsoren angewiesen, um den Film low budget zu realisieren.
Interview: Sirko Salka
„Solimark“ für Michael Stocks neuen Film bei „13 Jahre Gayhane“, 28.1., SO36
Mehr zur Location: SO36
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