Siegessäule - Restaurant-Tipps

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Restaurants-Tipps




Gastro

Neubau: Sternekoch in X-Berg


Image © Restaurantleiterin Annabell Block und Souschef Jan Zachran, C: Guido Woller

Mitten in Kreuzberg eröffnete Sternekoch Stefan Hartmann im Juni sein zweites Restaurant. Das Restaurant liegt im Innenhof des Ärzte- und Gesundheitszentrums, dessen Erbauung 2006 für Aufregung sorgte, und tatsächlich – schön ist anders. Wie zum Trotz steht aber mitten in diesem ochsenblutfarbenen Augenverbrechen eine gemütliche Lounge.

Die Karte des Neubau wird wöchentlich geändert und bietet eine übersichtliche Auswahl an ausgefeilten Gerichten. Ein Vier-Gänge-Menü kostet 35 Euro, ein Drei-Gänge-Menü 28 Euro, ich entscheide mich für Ersteres und meine Begleitung kann dem Bordeaux-Menü mit Weinbegleitung für 50 Euro nicht widerstehen. Zunächst gibt es aber ein zünftiges Feierabendbier. Dazu bekommen wir ein sagenhaftes selbst geba­ckenes Brot mit Olivenöl und handgeschöpften pyramidenförmigen Meersalzkristallen aus Essex. Beeindruckend. Doch gleich darauf folgt das Amuse-Gueule: eine kleine Praline krosser Eisbeinterrine auf frischem Fenchelsalat, fein abgeschmeckt mit Estragon – köstlich. Dass Hartmann gewillt ist, es auch im Neubau nicht an Engagement fehlen zu lassen, merken wir schon jetzt. Meine Vorspeise: gegrillter Waller. Ein sehr schmackhafter Fisch, dem das posthume Schwimmen in Apfelmus, Gurke und Sauerrahm sehr gut bekommt.

Meine Hauptspeise ist ebenfalls ein Fisch: Felchenfilet Müllerinnenart. Die Felche lebt ausschließlich im Bodensee und steht glücklicherweise nicht auf der roten Liste. Auch die Ochsenbacke mit Zwiebelsalat kommt von einer nicht gefährdeten Tierart. Der Geschmack des fast von selbst zerfallenden Fleisches mit dem 2006er Château La ­Brande Côtes de Castillon entlockt uns ein beeindruckendes Repertoire entzückter Laute. Als Nachspeise folgt für meine Begleitung ein kunstvolles Schwarzwälder-Kirsch-Dessert mit dem besten Schokoladeneis, das sie je gegessen hat. Meine Käseauswahl ist ebenfalls umwerfend, wenngleich mir der Roquefort fehlt. Von dem dazu servierten Feigensenf möchte ich sofort sämtliche Reserven aus der Küche mit nach Hause nehmen. Randvoll und glücklich beschließen wir den Abend und bemerken überrascht, dass die Teilnahme an diesem kulinarischen Marathon nicht nur rundum befriedigend, sondern auch finanziell erschwinglich war. 
Maria Mikityla


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Gastro

Kimchi Princess: koreanische Harmonie


Image © Guido Woller

Die Großstadtgeräusche sind gedämpft, klingen wie aus weiter Ferne, denn das Restaurant Kimchi Princess liegt exakt hinter der Noise-Grenze, direkt am Görlitzer Bahnhof. Kreuzberg-Flair und Mitte-People, echt schick. Zuerst einen Sommerdrink! Auf der Special-Karte gibt es einen tollen Aperitif, den Koreano. Frisch gepresster Orangensaft, Ingwer, Champagner und das Ganze auf Eis (5,50 Euro), großartig!

Der Laden ist knallvoll, Gruppen, Paare, eine koreanische Großfamilie, mit Speisen überladene Tische. Die gedämpften Teigtaschen taucht man in eine der typischen roten Soßen, die man in Korea zu fast allem isst, diese hier ist spritzig und scharf und belebt die Sinne. Das Kimchi Princess wirkt wie ein Rohbau. Draußen sitzen manche Gäste auf gestapelten Paletten, wie an einem Hafen mitten in der Stadt. Indoor hat das Restaurant das Flair eines ebenerdigen Lofts, garagenartig streckt es sich dahin und simuliert in einiger seiner Facetten ein Containerschiff, schlicht und sehr urban, warm und gelungen.

Der Kellner entzündet den Tischgrill für das Korean Barbecue, für das man hierherkommt. Während wir plaudern, bekommt das Gusseisen die richtige Temperatur. Um uns herum zischt es, denn die Gäste, die vor uns da waren, sind schon mittendrin in dem Erlebnis, vor den eigenen Augen Fisch oder Fleisch garen zu sehen. Der Geruch von heißem Sesamöl steigt uns in die Nase, das beschwingt und wir nippen am gut gekühlten Bio-Rosé, der tatsächlich so vollmundig ist, wie es die Karte verspricht (0,2 l/4 Euro). Die Spannung steigt. Dann erscheinen die typischen Beilagen: marinierte Auberginen und Kimchi, der scharf eingelegte Kohl. Die knusprigen winzigen Küchlein aus Fischeiern, milder Rettich und Algensalat.

Schon brutzeln auch auf unserem Grill zartes Rindfleisch und Babyoktopus (pro Person 17,50 Euro). Diese Kombination nennt sich Bul Nak und ist natürlich scharf mariniert. Jedermann isst hier mit den klackenden Metallstäbchen und keiner tut sich damit schwer, denn im Kimchi Princess reicht man koreanische Schälchen und nicht – wie in vielen anderen Asia-Restaurants – die flachen Teller, die den Stäbcheneinsatz zur Prozedur machen. Man isst langsam und endlos, fast zeremoniell, Korean Barbecue eben, ein kommunikativer genussreicher Akt. Hier will man ewig bleiben, denn das Lichtdesign, das eine Hafenstraße simuliert, bezaubert total: Ja, Berlin liegt doch am Meer!


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Gastro

Ovid: einfach und gut


Image © Brigitte Dummer

Man mag vom frei improvisierten Wandgemälde „Das letzte Abendmahl“ im Gastraum der Trattoria Ovid am Südstern halten, was man will, der herzlichen Atmosphäre im ansonsten schlicht gehaltenen Restaurant tut das keinen Abbruch.

Die Karte ist überschaubar, aber schlüssig: Vorspeisen, Pizza und Pasta. Die Antipasti Italiano für zwei Personen (13,50 Euro) bieten eingelegte Bohnen, Pilze, Tomaten, Zucchini und anderes gegrilltes Gemüse. Die Pizza Caravaggio mit gekochtem Schinken, Artischocken, Champignons und Oliven (8,50 Euro) und die Spaghetti al Pesto (8,50 Euro) sind so, wie sie sein sollten, die Panna Cotta (4,40 Euro) sorgt für den sahnigen Kalorienschub zum Finale. Kein Glamour, keine kulinarische Explosion, sondern einfach und gut.


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Gastro

Pastis: bodenständig französisch


Image © Brigitte Dummer

Bei französischer Küche denkt man oft an hochtrabende Gerichte mit wenig Essen für viel Geld. Durchaus hochklassig und dennoch bodenständig kommt dagegen das Pastis daher. 

Für Liebhaber deftiger Kost ist die würzige Blutwurst mit karamelisierten Äpfeln (16,90 Euro) zu empfehlen. Ein herrlich erdiges Gericht sind auch die Tagliatelle mit Trüffelcrème und gehobelten Trüffeln. Zur Vorspeise kann man sich an die Burgunderschnecken mit Kräuterbutter (6,90 Euro) trauen und mit einer Crème brûlée (6,90 Euro) zum Abschluss ist man auf der sicheren Seite. Wer sich bei der Auswahl unter den leckeren Desserts schwertut, nimmt die Dessertvariation (7,50 Euro).


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Gastro

Intensiv à la Lyon: Deux ou trois choses


Image © Guido Woller

Das Deux ou trois choses bezieht sich nicht nur auf den Filmklassiker von Godard, sondern vor allem auf das Konzept der kleinen, aber feinen Karte. Wobei von „fein“ bei Lyonnaiser Bistroküche nur mit Einschränkungen die Rede sein kann. Klassisch-rustikal zeigt sich auch die Speisenauswahl mit ihrer typischen Schlagseite ins Wurstige und Fleischige.

Sehr speziell erscheint uns die Hauspolitik, zu jedem Gang zwei verschiedene Weine gleichzeitig anzubieten. Ein bisschen fühlt man sich wie bei einer Weinprobe gleich neben der Betty-Ford-Klinik. Um der bäuerlichen Lyonnaiser Küche meine Referenz zu erweisen, wage ich mich an den Klassiker, die Andouillette: Kuttelwurst mit Lauchsalat. Der Geschmack ist so intensiv wie guter Sex – allerdings nur, wenn man darauf abfährt, eine Kuh zu rimmen. Sicher nicht jedermanns Sache, aber einen Versuch wert. Die anderen Schweinereien, zweierlei Schweineohren oder der Lyonnaiser Wurstteller, scheinen meinem Begleiter für den Moment zu winterlich. Er hat sich für das Menü entschieden (24 Euro) und bekommt als Vorspeise Thunfischcarpaccio mit Pfifferlingssalat gereicht. Er lächelt zufrieden: Die milde, leichte Speise harmoniert offensichtlich perfekt mit dem Sommerabend. Das Schwarzfederhuhn mit Spitzkohl und Kartoffel-Sellerie hat der Koch mit einem Hauch Anis gepeppt. Die kleine Beigabe macht enorm viel her.

Der Sommelier schleppt jetzt außer den zwei zum Hauptgang eingeplanten Weißweinen auch noch zwei Rotweine herbei. Vor uns geraten die acht Gläser durcheinander und unsere Unterscheidungsfähigkeit beginnt zu schwächeln. Genau im richtigen Moment erscheint Jean-Claude, die gute Seele des Hauses. Den belgischen Maître de Plaisir kennt man schon aus dem Storch und dem Couchon Bourgeois. „Le terrible“ ist immer zu einem Späßchen aufgelegt, um „die Gäste wohl zu bringen, auch wenn sie mal schlecht drauf sind“. Das macht er ganz wunderbar – auch wenn es die abschließende Crème brûlée au Café mit frischen Erdbeeren wohl auch ganz allein gepackt hätte.
Torsten Träger


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