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Darwins Evolutionstheorie: schwule Gene und kuschelnde Kühe


Vor 200 Jahren wurde Charles Darwin geboren. Die Berliner Biologin und Genderforscherin Bettina Bock von Wülfingen im Interview

© pixelio/zaubervogel Kuscheln auch gerne ohne Hintergedanken: Hauskühe

SIS 25.2.: Welche Rolle spielt Homosexualität in der Evolutionstheorie von Darwin?
Bettina Bock von Wülfingen (Humboldt-Universität): Laut Darwin dient jeder Körperkontakt entweder der Fortpflanzung oder dem Wettkampf. In diesem Konzept ist gleichgeschlechtliche Liebe reine Energie- und Ressourcenverschwendung. Diese Vorstellung ist kulturell sehr akzeptiert, weit verbreitet und ist oft Bestandteil homophober politischer Argumente.

Befindet sich die Forschung denn immer noch auf diesem Stand?
Inzwischen gibt es biologische Studien, die belegen, was jeder Bauer weiß: Dass Körperkontakt als Kommunikation verstanden werden kann und damit schon als Ziel an sich. Dass etwa Kühe es als angenehm empfinden, sich aneinander zu reiben, unabhängig vom Geschlecht. So langsam scheint es auch in der Biologie eine Akzeptanz für die Idee zu geben, dass Geschlechtsverkehr auch als ein Mittel zur Pflege von Beziehungen verstanden werden kann. Sexualität und Zärtlichkeit könnten so langsam von dem Produktivitätsdogma gelöst werden.
Zu Darwins Zeit war Sexualität stark von der christlichen Vorstellung geprägt, dass intimer Körperkontakt ausschließlich der Zeugung zu dienen habe – also im Dienst Gottes – und nicht zum Spaß da sei. Die Biologie überdenkt heute dieses Konzept neu und wird damit auch den Erfahrungen gerechter, die Menschen heute im Alltag machen.

Was sagt die aktuelle Forschung zur Herkunft der Homosexualität?
Einige neue Bioforschungen sind sehr queer: Um homo oder hetero zu sein muss man ja erst mal sicher sein, dass das eigene Geschlecht und das der geliebten Person 100% biologisch klar ist – und da zeigt die biologische Forschung immer mehr Bereitschaft, Vielfalt und fließenden Übergänge anzuerkennen.
 
In Amerika boomt unter Konservativen der Glaube an ein Homogen. Wenn da was dran wäre, hieße das, dass wir einen Gendefekt haben?
Die wenigen US-Forscher, die diese Gen-These immer wieder aufstellen, sind oft selbst Schwulenaktivisten. Grundsätzlich gilt: Je mehr „gesellschaftliche Abweichung“ mit Natur begründet wird, umso wahrscheinlicher findet man als Hintergrund einen starken Legitimationsdruck, der nur diesen Ausweg bietet.


Interview: cm


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