Berlin
Der Countdown für den Schwarzen Kanal läuft
Bisher ist kein neuer Wagenplatz gefunden, der Räumungstermin Ende des Jahres 2009 wurde aber erstmal verschoben
© Guido Woller
SIS 23.10./4.11.2009 – Noch zwei Monate – dann könnte es für den FrauenLesbenTrans-Bauwagenplatz „Schwarzer Kanal“ zu Ende gehen, weil der Konzern HochTief auf dem bisherigen Wagenstellplatz ein neues Bürogebäude bauen möchte. Um auf die Lage aufmerksam zu machen, kam es heute um 11 Uhr zur Besetzung eines Geländes hinter einer verlassenen Schule in der Adalbertstraße 51, um die Ecke vom Schwarzen Kanal. Knapp 100 SympathisantInnen fuhren mit vier Wagen auf das verwilderte Grundstück, um darauf hinzuweisen, dass es auch in Mitte noch ungenutzte Freiflächen gibt, die sich als Platz für den Schwarzen Kanal eignen würden. „Die Zeit wird langsam knapp. Im Winter umziehen ist schwierig und dauert“, erklärte eine Sprecherin.
Dass die Suche nach einem neuen Platz schwer ist, zeigte die Sitzung des Runden Tisches, die am Vormittag abgehalten wurde. VertreterInnen von SPD, Linkspartei und Grünen aus Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg berieten gemeinsam mit VertreterInnen des Schwarzen Kanals über Alternativorte für den Wagenplatz – ohne großen Erfolg. Vorgeschlagene Alternatviflächen befinden sich in Treptow oder Oranienburg, weit entfernt vom bisherigen Standort an der Michaelkirchstraße in Mitte. „Die Chance, noch einen neuen Standort zu finden, liegt bei etwa zehn Prozent“, sagte der Bezirksrat für Stadtentwicklung von Mitte, Ephraim Gothe (SPD). Er bedauerte das ausdrücklich.
Dass ihm an einem Fortbestand des Platzes gelegen ist, zeigte er, indem er (wie auch die anderen Politiker des Runden Tisches) zur Spontanbesetzung an der Adalbertstraße fuhr und zu vermitteln versuchte. Das dort besetzte Gelände gehört dem Liegenschaftsfonds Berlin, dessen Geschäftsführer Holger Lippmann ebenfalls herbeieilte. In zähen Verhandlungen verständigte man sich: die Besetzer bleiben bis Montag, dann gibt es neue Gespräche über einen Alternativstandort in Mitte. Die Zeit drängt - denn zum 1. Januar 2010 muss der Schwarze Kanal sein Gelände räumen. Ohne Ausweichort wird das aber nichts, so eine Sprecherin.„Wir gehen auf jeden Fall nicht freiwillig.“ (mg)
Nachtrag: Am Dienstag, 3.11., kam es erneut zu einem Treffen von Vertreter_innen des queeren Wohn- und Kulturprojekts Schwarzer Kanal, Vertreterinnen des Bezirksamts Mitte und des Liegenschaftsfonds sowie Abgeordneten des Berliner Senats. Die Gründstückseigentümerin, die Hochtief AG, erklärte sich dabei bereit, den bereits festgesetzten Räumungstermin vom 31.12. zu verlängern. Außerdem wurden sechs Objekte als alternative Stellplätze vorgeschlagen, von denen sich aber bereits vier als ungeeignet herausstellten. Am Montag, 23.11. um 12 Uhr wird es ein weiteres Treffen geben, um über die Zukunft des Schwarzen Kanals zu entscheiden. (kaey)
http://schwarzerkanal.squat.net
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