Siegessäule - Erfolgreicher Protest vor dem Eiscafe Dolce Freddo

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Erfolgreicher Protest vor dem Eiscafe Dolce Freddo


Um die 500 Schwule und Lesben protestierten gegen alltägliche Homophobie vor der Eisdiele, in der küssende Homos unerwünscht sind

© Guido Woller

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SIS 9.5.2009 – „Gut, dass die Community da ist, wenn man sie braucht." Einer drückte aus, was wohl viele dachten, als sich heute um 14 Uhr circa 500 Schwule und Lesben vor dem Eiscafe Dolce Freddo in der Maaßenstraße in Schöneberg zum Protest versammelten. Dem Besitzer der Eisdiele wird vorgeworfen systematisch Schwule und Lesben aus der Eisdiele zu werfen, wenn sie dort sichtbar werden, zum Beispiel wenn sie sich küssen. Dem schwulen Überfalltelefon Maneo sind mehrere Vorfälle bekannt, es laufen mindestens zwei Anzeigen. (siegessäule.de berichtete) Die Tunsi (Staatsministerium für Tuntensicherheit), eine Berliner Spaß- und Politikgruppe hatte deshalb eine Überprüfung auf Tuntensicherheit angekündigt. Betroffene Schwule hatten zum Kiss-In um 14 Uhr aufgerufen, um „Bewusstsein" für die diskriminierenden Vorfälle zu schaffen, es wurde über gayromeo aufgerufen, Partyveranstalter wie das GMF, Parteien wie Bündnis 90/Die Grünen und andere schlossen sich an.

Um 13.35 war die Eisdiele deshalb bereits von Kamerateams umlagert, um die 100 Schwule und Lesben standen erwartungsvoll vor der Eisdiele. Eisdielenbesitzer Paolo verweigerte der Presse jede Auskunft, die Angestellten hinter dem Tresen blickten genervt ob der Störung. Kurz darauf erschien die Abordnung der Tunsi, Agentin G. kaufte ein Eis und erklärte in die laufenden Kameras: „Unsere Aufgabe ist hiermit beendet. Dieser Laden gilt hiermit als tuntensicher. Hoffentlich. Sonst kommen wir wieder."

Damit war die Protestaktion aber nicht beendet. Immer mehr Schwule und Lesben strömten vor die Eisdiele, gegen halb drei waren es um die 500. In der Menge, aber auch hinter dem Tresen entspannen sich Diskussionen. Mehrere Anwesenende berichteten sichtlich empört wie sie vom Besitzer der Eisdiele angepöbelt oder rausgeworfen wurden. Die Angestellten hinter der Theke versicherten dagegen, im Grunde nichts gegen Schwule und Lesben zu haben. Es wurden auch Rufe aus der Menge laut wie „der soll zurück nach Italien gehen" oder „wir Schwule sind seit 100 Jahren hier im Kiez, er soll mit seiner Eisdiele in einen anderen Kiez ziehen."

Dann kam er doch aus dem Cafe. Besitzer Paolo stellte sich den Protestierenden und versuchte die Vorfälle kleinzureden. Es handele sich um „ein Missverständnis", er sei schon seit 25 Jahren hier im Kiez und habe nichts gegen Schwule. Er habe sogar eine Pizzeria an einen Schwulen verpachtet. „Große Entschuldigung an alle."

Von Einigen direkt darauf angesprochen, dass er sie nicht bedient hätte, antwortete er nicht. Parakash, ein betroffener schwuler Mann, schilderte siegessäule.de, wie er seinen Freund nur auf die Wange geküsst hätte, und der Besitzer der Eisdiele ihm zu verstehen gegeben hätte, das könne er zu Hause machen, aber nicht hier. Ein schwuler Italiener rief: „Ich schäme mich für dich."

Die Eisdiele hatte auch Unterstützer: Einige Passanten fanden es unmöglich, durch so eine Kundgebung den Eisverkauf zu behindern. Eine ältere Frau meinte, sie wohne schon lange im Kiez, habe nichts gegen Schwule, aber „man muss ja nicht immer alles so betonen."

Nach mehreren demonstrativen öffentlichen Küssen, intensiven Diskussionen und Aufrufen zum „Eisboykott" löste sich die Menge gegen 15 Uhr wieder auf. Die Eisdiele machte erstmal die Läden dicht.

Gudrun Fertig

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