Berlin
Nachgeholte Premierenfeier des Films „Coming-out“
Fast das ganze damalige Filmteam war gestern im Kino International, neben vielen Besuchern und Besucherinnen aus Ost und West
© Alle Fotos: Guido Woller weitere Bilder >>
SIS 10.11.2009 – Wie ein Schlag trifft es den jungen Lehrer Philipp, als er dem 19-jährigen Matthias in einer Ostberliner Schwulenkneipe begegnet. Plötzlich weiß er, worauf er sein Leben lang gewartet hat. Aber Philipp hat eine Freundin, die er verheimlicht – und darüber hinaus noch das eine oder andere Hindernis zu überwinden, zum Beispiel die Mauer in den Köpfen der anderen und natürlich auch die Mauer im eigenen Kopf. Denn Homosexualität in der DDR war 1989 ein Tabuthema.
Das ist, verkürzt, die Handlung von Heiner Carows Spielfilm „Coming Out“, dem erstem und einzigen DEFA-Spielfilm über Homosexualität. Zum ersten Mal in der DDR kam ein Film über Homosexualität auf die Leinwand, und heute erscheint es fast schicksalhaft, dass der Film ausgerechnet am 9. November 1989 im Kino International seine Premiere feiern wollte, denn die Premierenfeier ging ziemlich schief. Schon während des Films liefen die Leute aus dem Saal, weil draußen die Mauer geöffnet wurde.
Trotzdem begeisterten Heiner Carow und sein Film nicht nur damals die Menschenmassen, sie tun es auch heute noch, auf der ganzen Welt. Es gibt sogar eine japanische Version von „Coming Out“ auf DVD, erzählte Radio-1 Moderator Knut Elstermann bei der Feier zum 20. Premierenjubiläum am Montag im Kino International. Das legendäre Filmtheater war restlos ausverkauft und fast alle sind gekommen, um diesen Ausnahmefilm zu feiern. Auf der Bühne vor dem goldenen Vorhang stand die Filmcrew glücklich vereint und plauderte aus dem Nähkästchen: Matthias Freihof und Dirk Kummer, von Knut Elstermann charmant als „eines der schönsten Liebespaare der Filmgeschichte“ gekürt, daneben die wunderbare Hauptdarstellerin Dagmar Manzel. Heiner Carows Witwe Evelyn saß im Saal, sie hatte damals am Filmschnitt mitgewirkt. Die strenge Schuldirektorin des Films alias Walfriede Schmitt war da, Kameramann Martin Schlesinger, die Kostümbildnerin, der eine oder andere schwule Statist und viele viele viele mehr.
Eine Zuschauerin aus dem Westen schwärmt nach der Jubiläumsvorstellung in der Panoramabar: „’Coming Out’ ist ein Stück DDR- und ein Stück Filmgeschichte, aber noch viel mehr, denn er weist über DDR-Spezifisches hinaus. Solche Probleme haben die Menschen heute doch auch noch, ganz egal, in welchem politischen System sie leben“. Das sind treffende, starke Worte, aber der Film ist ja in der Tat eine Art Denkmal, zum Bespiel für Charlotte von Malzahn, die eine Barbesitzerin spielt. „Coming Out“ ruft sicher bei vielen auch Erinnerungen an eine Subkultur im sozialistischen Milieu wach, die es so nicht mehr gibt.
Nach der viel beklatschten „zweiten“ Premiere wurde in der Panoramabar im Kino International noch lange und ausgelassen gefeiert.
Andrea Winter
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