Berlin
Quälgeist-Jubiläum: 20 Jahr Lust und Liebel
Das Jubiläum des SM-Clubs wird mit einer besonderen Festwoche gefeiert: 29.8.-11.9.
© Dafydd Dil
20 ist kein Alter. Da geht’s eigentlich erst richtig los. Und auch der Berliner Verein Quälgeist hat noch eine Menge vor sich: „Wir wollen noch stärker zu der Anlaufstelle für SMler in Berlin werden“, schildert Oliver eines der Vereinsziele. Erreicht haben die quälenden Geister schon vieles: Was vor 20 Jahren im Kreuzberger Café Graefe als Idee begann, hat nach mehreren Umzügen und einigem finanziellen Angstzittern seit fünf Jahren eine solide Bleibe in einem schaurig-schönen Hinterhof am Mehringdamm gefunden.
Der mehrstöckige Playroom über 200 Quadratmeter ist mit Andreaskreuzen, Böcken, Streckbank, Gefängniszellen und einem Nassbereich sehr gut ausgestattet und widerspricht dem Schmuddelklischee, das manchmal mit SM in Zusammenhang gebracht wird: Hier ist es sauber. Vor dem Playroom befindet sich ein weiterer Raum mit einer großen Bar. Das ist vor allem für Anfänger angenehm, so kann man sich immer wieder „in Sicherheit“ bringen, wenn es im Playroom heftig zur Sache geht. „Sicherheit ist für uns ein ganz großes Thema“, sagt Oliver, „wir bieten Kurse zu allen Themen rund um SM an. Wir sind die Experten für Bondage, Atemkontrolle, Spanking und andere Spielarten. Es ist uns wichtig zu zeigen, wie man spielen kann, ohne sich gesundheitlich zu gefährden.“ Denn SM kann sowohl körperlich als auch psychisch ein Grenzgang sein, der gerade am Anfang nicht ganz ohne Risiken ist. „Oft wissen junge Meister oder Sklaven noch nicht, ihr Limit und oder das des anderen richtig zu erkennen“, so Oliver weiter, „und deshalb achten wir bei jeder Veranstaltung darauf, dass niemand zu Schaden kommt.“
Das unterscheidet das SM-Spiel bei Quälgeist von SM-Großveranstaltungen, bei denen, so Oliver, „die Leute oft unter starkem Druck stehen, sich zu beweisen“. Das klingt freundlich, aber man täusche sich nicht: Im Quälgeist geht es auch knallhart zu, mit Mumifizierungen, martialischem Schlagwerkzeug, Nadeln und Klammern. Umso faszinierender ist es, wenn SMler ins Schwärmen kommen: Meist sei nicht die Dosis des Schmerzes das Thema, sondern gefühlsmäßige Filme und driftende Erlebnisse, die bei einem gelungenen „Spiel“ entstehen, wie Quälgeist-Vorstandsmitglied Bernd (Foto) berichtet.
Dazu lädt Quälgeist auch Unerfahrene ein. Wer sich nicht richtig traut, ist am „Mit uns darüber reden“-Abend gut aufgehoben oder vereinbart eine persönliche Beratung. Der Anteil lesbischer Mitglieder (Lesben-Party: Honey&Spice) liegt bei drei Prozent, was bei 100 Mitgliedern ausbaufähig ist, Heteros machen etwa zehn Prozent aus. Aber auch queere Menschen und Transleute sind eingeladen, ihnen ist die regelmäßige „Wechselbalg“-Party gewidmet. Nicht alle Besucher vom Quälgeist sind feste Mitglieder, wer erst einmal schnuppern will, kann an der Abendkasse eine Tagesmitgliedschaft für rund 7 Euro bekommen.
Christian Mentz
Quälgeist-Festwochen vom 29.8–11.9, www.quälgeist.de
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