Berlin
Tipp: Kim Eustice – Wahlberlinerin mit australischem Witz
Abwechslungsreich: Die Pianistin und Kabarettistin Kim Eustice
© Jürgen Rocholl
SIS 27.8.09 – Geboren in Melbourne, ersehnte Opernbesuche in Wien und Paris, ein Sprachkurs in Montpellier und die spontane Entscheidung, einer Ferienromanze nach Berlin zu folgen – wenn Kim Eustice im Café von ihren Lebensstationen und ihrer Karriere als Pianistin und Entertainerin erzählt, fällt sie nicht nur durch ihren dunklen Lockenkopf auf. Sie redet schnell, gestikuliert, schnipst laut mit den Fingern, spielt auf der Tischkante Klavier und singt zwischendrin Schuberts „Winterreise“: „Der du so lustig rauschtest, du heller wilder Fluss“. Die 53-Jährige lebt mittlerweile seit über 20 Jahren in Berlin und ist nicht nur auf der Bühne eine Entertainerin.
Anfang der 80er-Jahre arbeitete sie als Musiklehrerin in Melbourne und nahm sich ein Jahr frei, um die großen Opernhäuser Europas zu sehen. Sie lebte einen Monat in Paris, verliebte sich bei einem Sprachkurs in Montpellier in eine Berlinerin und fuhr mit ihr spontan nach Westberlin. „Eine Stadt mit Bussen, an denen ‚Philharmonie’ als Endhaltestelle steht“, schwärmt sie noch heute. Die politisch aufgeheizte Stimmung in Westberlin Mitte der 80er-Jahre zog sie in ihren Bann: Die Demos gegen Reagan und den Nato-Doppelbeschluss, die aktive Frauenbewegung, die Grünen zogen erstmals in den Bundestag ein. Die Ferienromanze war schnell vorüber, aber die politische und künstlerische Szene der Mauerstadt ließen die Australierin nicht wieder los. „Eigentlich wollte ich immer in Frankreich leben, aber Berlin hat mich damals auserwählt“, sagt sie heute. Anfangs unterrichtete die Pianis- tin Englisch und fing damit an, in kleinen Clubs Kabarett- und Chansonprogramme zu begleiten. Sie liebte die Berliner Gassenhauer, die Lieder von Brecht, Claire Walldoff und Friedrich Hollaender. Ende der 80er trat sie im Frauencafé „Begine“ erstmals mit einem Solokabarettprogramm auf. Darin erzählte sie von ihren Berlinerlebnissen, etwa ihrem ersten Besuch in der legendären Frauendisco „Die Zwei“, wo sie sich in rosa Wollpulli und grauer Seidenhose unter kurzhaarigen Lesben in Lederhosen völlig deplatziert fühlte.
So abwechslungsreich wie ihr Lebenslauf ist auch ihr künstlerisches Leben. Sie gibt Klavierunterricht, begleitet nach wie vor Kabarett- und Chansonsängerinnen und tritt als Entertainerin auf.
Bis vor einigen Jahren sprach sie auf der Bühne nur Deutsch. Jetzt macht sie auch englisches Kindertheater und moderiert im Comedy Club Kookaburra ihre eigene English Comedy Night. „Plötzlich wieder auf Englisch witzig zu sein, war total ungewohnt für mich”, erzählt die Künstlerin. Dass sie auch ernst sein kann, beweist Kim Eustice derzeit im English Theatre Berlin: In „Talking Heads” von Alan Bennett spielt sie in einem halbstündigen Monolog eine putzsüchtige, zutiefst neurotische Hausfrau, die zur Aufrechterhaltung ihrer Traumwelt sogar verdrängt, dass sie mit einem Mörder verheiratet ist.
Ihrem ersten Auftrittsort, der Begine, ist sie bis heute treu geblieben. Im September tritt sie dort mit ihrem neuen Kabarettprogramm „Kimskrams“ auf und gibt im Sonntags-Club ein Konzert. „Die Frauen in der Begine sind immer noch mein Zuhause“, sagt die Künstlerin, die mit ihrer langjährigen Freundin in Kreuzberg lebt.
Kathleen Fietz
English Comedy Night, 1./15.9. im Comedy Club Kookaburra
Kabarett „Kimskrams“, 19.9., Begine
Chansons mit der französischen Musikerin Corinne Douarre, 25.9., Sonntags-Club
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