Berlin
Transenstar Maggie Knorr: „Ich war nicht mal nervös“
„Fummel-Tsunami“ ist ihr Spitzname, für die Siegessäule war sie in Mahrzahn unterwegs und dabei sehr entspannt, wie sie erzählt
© Nadja Brendel
SIS 26.9.2009 – Im April hat Maggie Knorr den Siegessäule-Drag-Contest im SchwuZ gewonnen. Seither wirbelt der „Fummel-Tsunami“ immer stärker durch Berlin. Ein halbes Jahr nach ihrem Sieg zog Maggie Knorr nun mit Siegessäule durch ihren Heimatkiez Marzahn und räumte gleich mit mehreren Klischees auf.
Maggie, was hat sich seit deinem Sieg beim Contest alles geändert?
M. K.: Sehr viel, das hat einen Riesenboom ausgelöst. Ich wurde zu diversen Veranstaltungen eingeladen. Allein die Bezeichnung „Fummel-Tsunami“ in der Siegessäule hat sich so schnell rumgesprochen, meinen Bekanntheitsgrad enorm erhöht. Das ist großartig. Plötzlich werde ich auch von vielen fremden Menschen erkannt und begrüßt. Übrigens passiert das sogar, wenn ich nicht im Fummel unterwegs bin.
Wie gehst du mit der neuen Prominenz um?
M. K.: Ich war über die große Resonanz schon sehr verwundert. Aber ich verhalte mich einfach so, wie ich bin, nämlich sehr offenherzig.
Du lebst seit Jahren in Marzahn. Warum bist du da hingezogen, hattest du keine Sorgen, im Kiez als Transe verfolgt zu werden?
M. K.: Hier wohnen sehr viele schwule Freunde und lesbischen Freundinnen von mir. Ich habe Marzahn von einer anderen Seite kennen gelernt. Ich hatte selbst viele Vorurteile, mich aber schnell eines besseren belehren lassen. Ich habe keine Probleme damit, mich im Fummel offen durch Marzahn zu bewegen. Bin soeben sogar für ein lokales Fest 2010 gebucht worden aufgrund des Bekanntheitsgrades, den ich inzwischen genieße.
Hört sich gut an. Aber dennoch, hattest du vor dem Kiezbummel mit Siegessäule nicht doch ein wenig Schiss, dass es negative Reaktionen geben könnte?
M. K.: Nein, ich war nicht mal nervös, weil ich meinen Kiez kenne, auch die Ecken, wo ich so nicht langgehen würde. Die Reaktionen waren fast durchweg positiv. Diese Erfahrung mache ich hier dauernd: Ob tags oder nachts, die Leute sind meist sehr interessiert und begeistert.
Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Gab es keine gemischten Reaktionen?
M. K.: Die meisten waren offen, ließen sich sofort in Gespräche verwickeln. Ein älteres Ehepaar im Café erzählte sofort von ihrem schwulen Neffen, der jetzt geoutet ist und frei leben kann. Das war beeindruckend. Richtig negative Äußerungen blieben aus. Wir mussten dabei gar nicht viel sagen, die Leute fingen sofort an, uns Fragen zu stellen oder selbst zu berichten.
Interview: Sirko Salka
Mehr über den Kiezrundgang in Marzahn in der Oktober-Siegessäule!
Maggie Knorr tritt im November mit Live-Band im SchwuZ auf. Die Termine folgen.
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