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HIV
Hepatitis C: neue Medikamente & Wechselwirkungen
Der Arzt Dr. Tobias Glaunsinger zum Thema Wechselwirkungen der neuen Hepatitis-C-Medikamente mit HIV-Medikamenten
Arzt Tobias Glausinger
siegessaeule.de 25.9. – Für die Behandlung einer chronischen Hepatitis C steht eine Medikamentenklasse, die der Proteasehemmer, zur Verfügung. Analog zu HIV haben wir nun auch bei HCV eine Dreifachkombinationstherapie. Wie kommentierst du das als behandelnder Arzt?
Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir diese Substanzen jetzt haben, aber sehe auch noch viel Luft in der Entwicklung. Für alle Patienten, die dringend darauf warten, sind die neuen Substanzen Gold wert. Bei aller Freude muss ich aber sagen, dass ich dringend auf detaillierte Informationen bezüglich der Wechselwirkungen mit der HIV-Therapie bei Koinfizierten warte.
Mit Victrelis von MSD wurde kürzlich der erster Proteasehemmer zugelassen. Verschreibst du deinen Patienten die neue Dreierkombi schon?
In meiner Praxis wird sie noch nicht verabreicht. Bisher haben die Firmen noch keine Studien zur Verträglichkeit der Medikamente bei koinfizierten Menschen vorgelegt. Die Daten sollen folgen, wie der Hersteller MSD angekündigt hat, aber zum Zeitpunkt der Zulassung fehlten sie. Momentan liegt mir lediglich eine Interimsanalyse zu einer zweiten Substanz vor, die im Herbst zugelassen werden soll. Bei diesem Medikament sind Wechselwirkungen mit einer HIV-Therapie bekannt.
Gibt es diese Zurückhaltung bei der Verschreibung auch in anderen Schwerpunktpraxen?
Ich weiß, dass sich viele Kollegen der Problematik sehr bewusst sind. Wir HIV-Ärzte haben jahrelang gefordert, wir brauchen Studien zu Koinfizierten, aber das hat die Industrie offenbar nicht interessiert. Erst bei der nächsten Generation von Medikamenten wird es laut der Zulassungsbehörde von Anfang an auch verbindlich Studien zu Koinfizierten geben müssen.
Welche Probleme könnte es denn geben?
Die Medikamente haben hohe Nebenwirkungen und werden genauso verstoffwechselt wie die HIV-Medikamente. Insofern befürchten wir einen Wust an Wechselwirkungen. Man hat uns also die nötigen und wichtigen Werkzeuge in die Hände gegeben, ohne zu sagen, wie wir sie bedienen sollen.
Was ist bei der Einnahme des Proteasehemmers zu beachten?
Wir reden bei Victrelis von dreimal vier Kapseln am Tag. Das kenne ich aus den frühen Zeiten der HIV-Therapie. Insofern sind wir bei der Hepatitis-C-Therapie heute da, wo wir bei HIV Mitte der 90er waren. Dennoch, ich will das nicht klein reden, ist die Entwicklung der Dreierkombi bei Hepatitis C ein großer Sprung bei der Behandelbarkeit der Hepatitis C, der uns Ärzte sehr optimistisch in die Zukunft blicken lässt.
Interview: Sirko Salka
Dr Glaunsinger findet man in derPraxis Prenzlauer Berg
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