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HIV
Hepatitis C: Wie kann ich mich schützen?
Hepatitis-C-Infektionen nehmen bei HIV-positiven schwulen Männern zu. Warum? – dazu ein Interview mit dem Arzt Axel J. Schmidt
© Zoe Cormier Axel J. Schmidt ist Arzt und Epidemiologe am Robert Koch Institut
siegessaeule.de im April 2011
SIS:Axel, haben HIV-Positive ein erhöhtes Risiko einer Koinfektion mit Hepatitis C? Was hat deine Studie dazu ergeben?
Axel J. Schmidt: Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) sind in westlichen Ländern in erster Linie bei Menschen verbreitet, die Drogen injizieren, da HCV vor allem durch Blut übertragen wird. Seit etwa zehn Jahren berichten Kliniker über Zunahmen von Hepatitis C bei HIV-positiven schwulen Männern in Europas Metropolen. Neu dabei war und ist, dass die überwiegende Mehrheit dieser Männer jeglichen Gebrauch von Injektionsdrogen verneint.
Wenn wir nicht – wie es leider oft geschieht – unterstellen, dass diese Männer alle lügen, scheint sich Hepatitis C bei ihnen somit auf eine andere Weise zu verbreiten, möglicherweise auch im Rahmen sexueller Kontakte. Unsere Studie hat nicht untersucht, ob oder warum die HIV-Infektion ein Risikofaktor für Hepatitis C ist. Ziel war vielmehr, herauszufinden, auf welche Weise Hepatitis C bei HIV-positiven schwulen Männern übertragen wird. Und um es noch einmal zu betonen: Schwule Männer ohne HIV, die nicht injizieren, sind aktuell praktisch nicht von Hepatitis C betroffen. Ausgehend von über 5.000 schwulen Männern aus Berlin, die sich im vergangenen Sommer am European MSM Internet Survey (EMIS) beteiligt haben, schätzen wir, dass etwa fünf Prozent aller HIV-positiven schwulen Berliner und etwa 0,1 Prozent aller nicht-positiven mit HCV infiziert sind.
Inwiefern versteht ihr HCV als eine sexuell übertragbare Infektion? Über Blut oder Sperma – wie wird sie übertragen?
Wir alle – egal ob Arzt, Wissenschaftlerin, Homoaktivist oder Journalistin – sollten uns bemühen nicht der Versuchung zu erliegen, immer wenn Infektionen bei schwulen Männern auftreten, gleich von einer sexuellen Übertragung auszugehen. Es gibt bei uns durch die Beschäftigung mit HIV eine recht eigenartige Spermafixierung, die an die antike Humoralpathologie („Säftelehre“) erinnert. Syphilis, Gonorrhö, Chlamydien, Feigwarzen oder Herpes werden jedoch sämtlich nicht durch Sperma übertragen, sondern durch Schleimhautkontakte beim Sex. Eine Übertragung von HCV durch Sperma kann nach aktueller Studienlage nicht völlig ausgeschlossen werden, aber die Hinweise verdichten sich, dass Hepatitis C in erster Linie durch Blut übertragen wird, nicht durch Sperma.
Safer Sex schützt nur begrenzt. Auf welche Faustregeln sollten Männer achten?
Safer Sex ist ein Konstrukt von Verhaltensregeln, die zur Verringerung einer Ansteckung mit HIV entwickelt wurden. Safer Sex („Ficken nur mit Gummi, beim Blasen raus, bevor es kommt“) war noch nie besonders geeignet, anderen sexuell übertragbaren Infektionen als HIV vorzubeugen. Das gilt auch für Hepatitis C. Faustregeln haben für die Hepatitis-C-Prävention eine eigene Bedeutung: „Immer mit Handschuh; und pro Handschuh nur ein Arsch ...“
Die für HIV-positive Männer festgestellten Infektionsrisiken für HCV liegen beim Bluten, Fisten, Koksen und Gruppensex – welche Folgen hat das für die Prävention?
Es ist seit langer Zeit bekannt, dass Hepatitis C beim gemeinsamen „Koksen“ übertragen werden kann. Hierzu gibt es etliche Studien; die meisten untersuchen alle möglichen Bevölkerungsgruppen, nicht nur schwule Männer. Regelmäßiger Gebrauch von Kokain schädigt die Nasenschleimhaut und erhöht drastisch die Blutungsneigung. Für andere Pulver, die in ähnlicher Weise konsumiert werden (z. B. Speed), ist dies weniger gut untersucht. Wer solche Substanzen konsumiert, kann sich vor HCV schützen, indem er – besonders auf Sexpartys – ein eigenes Röhrchen verwendet und nicht den Geldschein, der ihm gereicht wird oder den er kurz vorher als Wechselgeld erhalten hat. HCV bleibt an der Luft viele Stunden infektiös. Wenn Hepatitis C vor allem durch Blut übertragen wird, müssen wir alle (sexuellen) Praktiken betrachten, bei denen Blut „weitergegeben“ wird. Die Analschleimhaut blutet besonders schnell: Je länger der anale Sex, je größer der beteiligte Phallus (Penis, Faust oder Dildo), desto leichter kommt es zu Blutungen. Das „Weitergeben“ von Blut, von Anus zu Anus oder Nase zu Nase, ist entscheidend für die Übertragung.
Was kann die Community leisten?
Die Community sollte keine gemeinsam genutzten Gleitmitteltöpfe mehr tolerieren, da sich in ihnen Blutreste sammeln können. Viele schwule Wirte setzen dies bereits um. Beim Fisten sollten ausreichend stabile Handschuhe getragen werden, die für jeden neuen Partner gewechselt werden. Das Wichtigste ist, Männer mit Hepatitis C nicht auszugrenzen, auch nicht sexuell.
Interview: Sirko Salka
Axel J. Schmidt ist Arzt und Epidemiologe und arbeitet am Robert Koch-Institut.
Axel J. Schmidt, Jürgen K. Rockstroh u. a.: Trouble with Bleeding: Risk Factors for Acute Hepatitis C among HIV-Positive Gay Men from Germany – A Case-Control Study Studie hier online
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So eine schwache Studie, nichts neues und ohne Aussagekraft.
von: W. Schmidt, 24.07.2011 14:14 Uhr