Siegessäule - „Privatsprechstunde” zum Thema Hepatitis C

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„Privatsprechstunde” zum Thema Hepatitis C


Die Siegessäule präsentierte die Privatsprechstunde mit Dr Keikawus Arastéh im SchwuZ. Hier das Interview

© Tanja Schnitzler Dr Keikawus Arastéh vom Auguste-Viktoria-Krankenhaus

siegessaeule.de 14.9. – Hepatitis C stellt in Berlin v. a. für HIV-Positive ein Problem dar. Nun ist eine neue Wirkstoffklasse für die Therapie auf dem Markt. In der szenenahen „Privatsprechstunde“ diskutiert der Arzt Dr. Keikawus Arastéh über bessere Heilungschancen und mögliche Wechselwirkungen mit HIV. Konzept der Privatsprechstunde ist, dass alle Anwesenden Fragen stellen können.
Mittwoch, 14.9, 20.30 Uhr, SchwuZ

Hier das Interview mit Dr. Keikawus Arasté zum Thema Proteasehemmer als neue Wirkstoffklasse für die Behandlung der Hepatitis C (HCV):

Siegessäule: Für die Behandlung von Hepatitis C ist ein neues Medikament zugelassen worden, weitere sind in der Pipeline. Wie wichtig ist das?
Diese neuen Proteaseinhibitoren sind ein deutlicher Fortschritt. Künftig werden wir 20 bis 30 Prozent mehr Response auf die Behandlung erreichen. Mit bisherigen Medikamenten konnten 50 bis 70 Prozent der Patienten ausgeheilt werden. Das macht die Situation spürbar komfortabler. ­

Proteasehemmer kennen wir von der HIV-Therapie. Heißt das, dass wir bei Hepatitis C eine neue Wirkstoffklasse haben?
Richtig. Bisher hatten wir nur die Zweifachtherapie aus einem Medikament, das sich mit der NRTI-Substanzklasse bei HIV vergleichen lässt, und Interferon, was nötig ist, um das Immunsystem anzuheizen und das Virus aus dem Körper rauszukicken.

Warum klappt das bei HIV nicht, das Virus mittels Interferon loszuwerden?
Weil HIV in den Zellkernen eingebaut ist, in den Memory-Zellen, die lange Erinnerungszeiten über den Tod hinaus haben. Memory-Zellen, die z. B. die Farben von Tattoos aufnehmen, sind nach 2.500 Jahren noch nachweisbar. Daher muss man mit großen Tricks versuchen, sie so zu mobilisieren, was zum Teil ja probiert wird, um HIV tatsächlich mal zu heilen. Bisher ist das noch nicht gelungen.

Ist die Dreierkombi bei Hep C der erhoffte Durchbruch?
Es ist eine zusätzliche Option für alle Patienten, die mit der Zweifachtherapie schon einmal Schiffbruch erlitten haben. Wir sind von der Minimaltherapieoption auf eine mittlere Ebene gekommen, werden dadurch die Heilungsrate steigern. Darauf haben wir lange gewartet. Der ganz große Durchbruch ist es noch nicht. Und wir sind auch nicht in der komfortablen Situation, beim Scheitern der Dreifachtherapie, wie bei HIV machbar, einfach auf eine andere umzustellen.

Sind bei koinfizierten Menschen Interaktionen mit HIV-Medikamenten zu befürchten?
Die Interaktionen sind uns bekannt, aber wir müssen das gerade bei den neuen Medikamenten im Auge behalten und den Patienten darauf hinweisen, dass er z. B. keine Partydrogen konsumiert, sondern sich ganz auf die Therapie konzentriert. Die Behandlung kann zwischen einem halben Jahr und 72 Wochen dauern. Das ist eine überschaubare Zeit. Und anschließend ist die Hepatitis C geheilt, was den Aufwand lohnt.

Weniger Nebenwirkungen sind erst mal unrealistisch?
Es wird eher zusätzliche Nebenwirkungen geben. Problematisch ist zudem, dass die Proteaseinhibitoren dreimal am Tag gegeben werden müssen.

Täuscht der Eindruck, dass in der Hep-C-Forschung gerade mehr passiert als bei HIV?
Es ist eine Bugwelle, viele Studien laufen parallel. Bei Hepatitis C versuchen wir, Mutter Natur zu simulieren. Das klappt gut, weil sie bei ca. 20 Prozent spontan ausheilt. Auch wenn es marginal erscheint, das ist für die Forschung immens wichtig. Deswegen würde ich jetzt nicht sagen, dass die Erfolge bei HIV geringer sind. Ideen, wie man auch da Mutter Natur überlisten könnte, sind gerade in jüngerer Zeit vorhanden. Von daher würde ich nicht zu pessimistisch sein. Aber Sie haben recht: im Moment ist bei Hepatitis C mehr Dampf drin.

Worum geht es bei der Veranstaltung im SchwuZ?
Das Besondere ist, dass ich keinen Vortrag halten werde, sondern mit den Leuten ins Gespräch kommen möchte. Der Abstand zum Patienten soll so klein wie möglich sein. Ansons­ten geht es um die angeklungenen Themen: Was haben wir erreicht? Wohin muss es noch gehen? Wie weit sind wir von einem echten Durchbruch entfernt? Nach meiner Meinung und der vieler Kollegen haben wir diesen Durchbruch, sobald wir eine interferonfreie Therapie anbieten können. Interferon stellt für viele ein erhebliches Problem der Verträglichkeit dar. Was wir heute schon haben, ist ein verbesserter Therapieerfolg. Das ist großartig und gerade für Hepatitis-C-Genotypen 1 und bei Koinfizierten ein nachgewiesener deutlicher Gewinn.   
Interview: sisa

Demnächst folgt auf hier siegessaeule.de das Interview mit dem Arzt Tobias Glaunsinger zum Thema Wechselwirkung der neuen Hepatitis-C-Medikamente mit HIV-Medikamenten

 

 

Mehr zur Location: SchwuZ


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