Siegessäule - Sex- und Partydrogen: erhöhtes Risiko!?

HIV

Sex- und Partydrogen: erhöhtes Risiko!?


Interview mit ManCheck-Projektleiter Rolf de Witt über den Konsum von Drogen und Risiken beim Sex

Alles so schön bunt hier: Alkohol und Drogen können Spaß machen, sollten aber mit einem gewissen Know-How konsumiert werden

siegessaeule.de im April 2011

SIS: Sex- und Partydrogen gehören ja für viele Schwule zum Berliner Leben dazu. Wie kann man Leute erreichen, für die Drogen beim Sex oder Feiern Selbstverständlichkeit geworden sind?
Rolf de Witt: Die Droge Nummer eins, die Auswirkungen auf das Risikoverhalten beim Sex hat, ist nach einer Studie der DAH nach wie vor der Alkohol. Wir haben mit einigen Institutionen zusammengearbeitet, um herauszufinden, wie sich Partydrogen auf das Risikoverhalten beim Sex auswirken. Bei Kokain sinkt z. B. das Schmerzempfinden und man wird aggressiver, das bedeutet, dass leichter Verletzungen auftreten können. Und man kann länger vögeln, da kann so ein Kondom dann auch mal reißen. Unser Ansatz im Sinne von „Safer Use“ ist, ein offenes Klima zu schaffen, darüber reden, was konsumiert wird, und dann vermitteln, was man tun kann, um das Risiko einer HIV-Infektion oder anderer Schäden zu mindern.

Wo liegen die Gefahren speziell bei schwulen Konsumenten?
Ein einfaches Beispiel ist Poppers. Wenn ich Poppers nehme, muss ich mir bewusst sein, dass dann die Erektion nachlässt. Wenn ich also Sex mit Kondom haben will, mach ich das am besten drüber, bevor ich das Poppers ziehe. Wenn ich GHB nehme, um mich zu entspannen, dann nur so viel nehmen, dass ich noch weiß, was ich tue. Wenn ich der aktive Part bin, sollte ich noch Signale des Partners wahrnehmen können.

Steht der Konsum von Partydrogen im Zusammenhang mit dem Anstieg von Neuinfektionen?
Da wäre ich sehr vorsichtig. Generell, wenn man Alkohol mit einschließt, kann das durchaus sein. Aber man muss aufpassen, dass man nicht GHB, Kokain und sonstige Substanzen als das Hauptrisiko hinstellt, das führt gerne mal bei den Leuten, die das nicht nehmen, dazu, dass die denken, dass ihnen das nicht passieren kann, weil sie eben nur Alkohol konsumieren.

Bei Mischkonsum gibt es unterschiedliche Risiken.
Viele Substanzen, zum Beispiel GHB und Poppers, senken den Blutdruck und wirken atemdepressiv, deshalb kann man bewusstlos werden, das geht bis zum Atemstillstand. Bei HIV-Medikamenten und GHB zum Beispiel sagen wir, dass die Leute sich einen Arzt suchen sollen, mit dem sie darüber reden können. Proteasehemmer können schon bei geringer GHB-Dosis zu einer tödlichen GHB-Konzentration führen. Wenn man denn meint, zusätzlich zu den Medikamenten der Kombitherapie auch GHB nehmen zu müssen, dann muss man noch viel mehr auf sich und aufeinander achten. Das gilt für alle Substanzen.

Bei GHB kommt es schnell zu einer Überdosierung. Bei Koks und Speed scheint das nicht so leicht.
Da geht es aber um die Frage, wie rein das Koks oder das Speed ist. Oder auch das MDMA. Darum sind wir ja auch bei der Drugchecking-Initiative Berlin-Brandenburg dabei, weil die durchsetzen wollen, dass, wenn schon Drogen genommen werden, man dann wenigstens die Möglichkeit hat, den Wirkstoffgehalt oder die Beimischungen zu prüfen, bevor man sie nimmt. In der Schweiz wird das sehr erfolgreich gemacht. Anhand bestimmter chemischer Verfahren wird vor Ort in mobilen Drugchecking-Laboren festgestellt, was in Pille oder Pulver drin ist.

Eine Perspektive für Berliner Clubs?
Es gibt in Berlin die Clubcommission, die sich schon länger mit uns zusammen dafür einsetzt, dass man Drugcheckings machen kann. Jeder vernünftige Partyveranstalter weiß, dass auf seinen Partys konsumiert wird. Keiner hat ein Interesse daran, dass da jeden Abend fünf Leute mit dem Notarztwagen abtransportiert werden.
Interview: Jan Noll

Mehr Infos unter: mancheck-berlin.de