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HIV
„Von HIV-Heimtests rät die DAH ab"
Carsten Schatz, Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe, über den HIV-Test und die persönliche Risikoeinschätzung
© Andreas Fux
siegessaeule.de im April 2011 – Fragen an Carsten Schatz (im Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe), zum HIV-Test:
SIS: Die Deutsche Aids-Hilfe bewirbt ausdrücklich den HIV-Test, das war nicht immer so. Warum ist der Test heute sinnvoll?
Carsten Schatz: Die Deutsche Aids-Hilfe ermutigt zum Test, weil es heute Sinn macht zu wissen, ob man HIV-positiv ist. Nur so kann man rechtzeitig mit einer Therapie beginnen, außerdem lässt sich psychosozial die Lebensqualität erheblich verbessern.
Wann sollte eine Therapie starten – und wer entscheidet das?
Wann man mit einer Therapie beginnt, ist immer die Entscheidung des Patienten und keines anderen. Ärzte und wir als Organisation können den Leuten Informationen und Fakten an die Hand zu geben, die bei der Entscheidung helfen. Es geht um die Frage: Unter welchen Bedingungen fühle ich mich mit der Therapie wohl? Wie ist es meinem Leben angemessen? Das betrifft den Therapiebeginn, aber zum Beispiel auch Einnahmezeiten und Nebenwirkungen bestimmter Medikamente.
Im Internet werden längst HIV-Hometests angeboten. Welche Position hat die Deutsche Aids-Hilfe hierzu?
Von HIV-Heimtests rät die Deutsche AIDS-Hilfe ab. Wir halten am deutschen Teststandard fest: Vor und nach dem Test soll eine ordentliche Beratung stattfinden. Die fehlt völlig, wenn die Leute daheim auf der Bettkante ihren Test machen. Hinzu kommt: Nur geschultes Personal kann den Test richtig durchführen. Schon kleine Anwendungsfehler können zu falschen Ergebnissen führen. Viele unserer Mitgliedsorganisationen werben viel offensiver für den Test als wir. Spannend ist hier vor allem die Frage nach dem richtigen Umfeld: Geht man zum Beispiel in die Sauna und bietet dort einen Schnelltest an? Oder verteilt man in dieser Sauna Gutscheine für den Test und sagt den Leuten: Kommt in unsere Beratungsstelle?
Inwiefern ist der Test auch Mittel der Prävention?
Die Auseinandersetzung mit dem Test ist wesentlicher Teil von Prävention. Das ist für mich sogar das Wichtigste: dass sich Menschen damit beschäftigen und sich zum Test entschließen, nachdem sie sich in einer risikohaften Situation befunden haben. Teil einer guten Testberatung ist es, gemeinsam mit dem Berater oder Arzt darüber nachzudenken, ob wirklich ein Risiko bestanden hat. Es geht darum, dass die Leute lernen, ihr Verhalten einzuschätzen. Ziel von Prävention ist aus meiner Sicht nicht, positive Testergebnisse zu verhindern, sondern, dass die Leute von ihrem Testergebnis nicht überrascht sind und gut damit klar kommen. Weil sie Risiken, die sie eingehen, klar einschätzen und dementsprechend auch mit den Folgen umgehen können.
Interview: Sirko Salka
Carsten Schatz wird bei der Siegessäule Veranstaltung „Alle Mann zum Test?“ am nächsten Donnerstag, 28.4., im Mann-O-Meter, als Experte auf dem Podium sitzen
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