Bühne
Ballett-Klassiker: Romeo und Julia an der Deutschen Oper Berlin
Auch dieses Mal werden sie sich wieder nicht bekommen – bis dahin aber ist das schwule Herz geschmolzen, bis Juni
siegessaeule.de 17.2. – Die verfeindeten Familienclans der Montagues (Romeo) und Capulets (Julia) tragen exakt dieselbe Kleidung. Einzig in der Farbe unterscheidet sie sich. Babyrosa versus babyblau: Oberflächlich und kindisch scheint der Konflikt, der die größte Lovestory der Weltgeschichte zu einem tragischen Ende führen wird. Wegen der klaren dramatischen Strukturen und der psychologischen Figurenzeichnung gilt John Crankos Stuttgarter Inszenierung von 1962 heute schon als Klassiker. Nach 50 Jahren– schon? Allerdings. Beim klassischen Ballet gehen die Uhren eben etwas langsamer.
Die Bögen und Arkaden von Verona und der berühmte Balkon sind im Bühnenbild noch klar erkennbar, gleichzeitig aber in der Form vereinfacht und abstrahiert. Ebenso wie viele der rauschenden Renaissance-Kostüme. Die gelungene Gratwanderung zwischen erzählerischen und abstrakten Elementen spiegelt sich auch in Crankos Choreografie wider. Die Gründe für den anhaltenden Erfolg sind also auch in der fast orginalgetreuen Neu-Inszenierung nachvollziehbar.
Trotzdem wirkt das, was vor 50 Jahren zumindest als sanfte Revolution galt und als Initialzündung das „Stuttgarter Ballettwunder“ auslöste, aus heutiger Perspektive nicht mehr wirklich frisch und peppig – und schon gar nicht revolutionär. Iana Salenko als Drittbesetzung der Julia bringt zudem zwar die nötige Zartheit mit sich, kann aber die erkrankte Nadja Saidakowa an Ausstrahlung kaum ersetzen. Das eher genügsame Berliner Ballettpublikum aber ließ sich seine Begeisterung dadurch nicht nehmen. Malakhovs Coup wird wohl endlich für den ersehnten Kassen-Erfolg sorgen.
Torsten Träger
Romeo & Julia: 17. Feb., 19:30 Uhr
weitere Vorstellungen: 2. März, 6. u. 9. April, 8. u. 18. Mai, 15. u. 17. Juni 2012
Mehr zur Location: Deutsche Oper
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